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Charakterkopf: Christoph Kappes

Unternehmer, Berater, Publizist: Seit über 20 Jahren befasst sich Christoph Kappes in verschiedenen Rollen beruflich mit der Digitalisierung. Nach seinem Jura-Studium mit den Nebenfächern Informatik und Philosophie gründete und führte er den Vorläufer der heutigen Pixelpark Agentur Hamburg. Seit 2008 ist er als Berater für Unternehmen tätig und begleitet deren Aktivitäten im „Digital Business“. Außerdem publiziert Christoph Kappes nicht nur im eigenen Blog, sondern schreibt auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Zeit und Spiegel Online. Zurzeit arbeitet er mit Sascha Lobo an einer neuen Plattform für E-Books.

Doch noch eine Bar in Sibirien gefunden oder dank Stau-App pünktlich angekommen: In welcher Situation hätten Sie Ihr Smartphone nicht missen mögen?
 
Wenn ich an einem fremden Ort ankomme, der Smartphone-Akku leer geworden ist und die genauen Daten für mein Reiseziel ausschließlich auf dem Handy sind, das ist für mich der größte anzunehmende Smartphone-Unfall, GröSmuz.
 
Angenommen, im Internet geht plötzlich nichts mehr: Wie sieht ein Tag ohne Netz für Sie aus?
 
Gegenfrage: „Wie sieht ein Tag ohne Brötchen für Sie aus, Herr Bäcker?“
 
Morgen bestimmen Sie über die Netzpolitik in Deutschland. Was tun Sie?
 
Ich sortiere erst mal mit einem Runden Tisch die Prioritäten – es hat wenig Sinn, eine Kakophonie zu veranstalten und wild mit Interviews in die Luft zu schießen. Wir müssen die Veränderung systematisch mit Change Management steuern und erst einmal Lösungsräume diskutieren. Und dann starte ich das Drei-Jahres-Programm „Code for Germany", bei dem sich alle Bürger bewerben können (ausnahmsweise mit Quote übrigens, weil sie an dieser Stelle Sinn macht).

Nach einem Crowd-Verfahren werden Projekte bewertet, die Know-how, Code, Plattformen und Prozesse zum Ergebnis haben sollen. Wir bezahlen dann für 1.000 Personen, die den Zuschlag bekommen, ein schmales, aber noch marktübliches Gehalt für drei Jahre. Das kostet im Jahr weniger als 100 Millionen Euro und erzeugt neuartige Plattformen sowie Wissensbausteine, vernetzt Menschen, liefert Gemeingüter für alle – sowie Gründer und Mitarbeiter für Unternehmen, stärkt also auch die Wirtschaft. Wir müssen klotzen, nicht kleckern. Und der Weg geht schneller, wenn Netzgemeinde und Wirtschaft das Verbindende suchen. Ich kenne beide Sphären und halte das für möglich.
 
Die Zukunft gehört dem Internet der Dinge: Was ist Ihr Lieblingsszenario?

Als urbaner Intensiv-Onliner hoffe ich ganz egoistisch, dass ein balanciertes Leben zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen urbanem Puls der Technik und Kraft von ländlicher Umgebung möglich wird. Vielleicht wissen meine Dinge, wo sie sein sollen, und fliegen mit geshareten Drohnen von Drone2Go immer dorthin, wo sie gebraucht werden. An meinen Utopie-Tagen glaube ich auch an mit Freunden und Bekannten geteilte Ressourcen, die von IT verwaltet werden und sich an die jeweiligen Wünsche anpassen.

Wahrscheinlich ändert sich das Stadt-Land-Gefüge durch 3D-Druck, modernste Logistik und Wissensarbeit langfristig ohnehin. Wir müssen aufpassen, dass sich die Leute nicht immer stärker von sich selbst entfremden vor lauter Arbeitsteilung und Technik im Beruf, die ich ja grundsätzlich begrüße. Das Projekt würde ich als "Das gute Leben" bezeichnen, das ist sinnvoll, sozial und verwurzelt.