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Fünf Jahre eco AK Datacenter/Datacenter EG

Am 8. November 2007 fand unter dem Titel „Effizienzbetrachtung im Rechenzentrum" die konstituierende Sitzung des eco Arbeitskreises Datacenter statt. Ziemlich genau fünf Jahre später – am 7. November 2012 – lädt die Datacenter Expert Group zum dritten ecoTrialog in Hamburg. Zwischen diesen beiden Ereignissen liegen nahezu 50 Events, die eco rund um das Thema Rechenzentrum veranstaltet hat, bei denen insgesamt mehr als 1.500 Teilnehmer begrüßt werden konnten. 230-mal referierten eco Experten über Data-Center-Themen, nahmen im Rahmen von 18 Kooperationen an Podiumsdiskussionen teil oder waren als Ausstellungspartner vor Ort. Was sich in den fünf Jahren in der Rechenzentrumsbranche getan hat, und welchen Beitrag eco dazu geleistet hat, erläutern wir in einem Jubiläumsrückblick.

2007 rief eco den Arbeitskreis Datacenter ins Leben, um gemeinsam mit den Teilnehmern Themen rund um Infrastruktur und Energieeffizienz zu diskutieren sowie Best-Practice-Ansätze zu entwickeln. Der damalige AK-Leiter Patrick Pulvermüller, Geschäftsführer der Host Europe GmbH, betonte, es ginge bei der Arbeit des AK Datacenter nicht nur um die überall diskutierte Energieeffizienz, sondern auch um technische sowie betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte. Auf der Agenda der ersten Sitzung standen Themen wie Stromkosten-Analyse, Verfügbarkeit von Rechenzentren sowie Herausforderungen an Zertifizierungsverfahren. Erstes großes Ergebnis der AK-Arbeit war im Jahr 2008 eine Studie zur Energieeffizienz in deutschen Rechenzentren, bei der die Daten von insgesamt 49 Rechenzentren mit einer Gesamt-Bruttofläche von circa 50.000 m² erhoben wurden.

„Viel Aufklärungsarbeit in Bezug auf die zunehmende Diversifizierung in den Anforderungen“ war das Ziel, das Dr. Béla Waldhauser, Geschäftsführer der Telehouse Deutschland GmbH, sich setzte, als er 2009 den eco Arbeitskreises Datacenter übernahm. „Das ist eine der entscheidenden Veränderungen in der RZ-Branche in den vergangenen fünf Jahren. Mittlerweile gibt es Märkte für preiswerte Tier-2-Lösungen, genauso wie für höherwertige Tier-3-Lösungen, aber auch für die ,Luxusklasse‘ Tier 4, was die Redundanz angeht. Dazu kommt ein breites Spektrum an Anforderungen an die Leistungsdichten (Strom und Kühlung). Zeitgleich wird aber auch immer mehr Wert auf Energieeffizienz gelegt, beispielsweise ein niedriger PUE-Faktor angestrebt. Zusätzlich hat das Thema Cloud die Nachfrage nach großen Flächen mit hoher Leistungsdichte voran getrieben. So gibt es durchaus Kunden, die 1 MW IT-Strom und mehr von den RZ-Betreibern einkaufen“, fasst er die Entwicklung aus heutiger Sicht zusammen.

Ein AK war längst nicht mehr genug

Immer wieder wurden von den Teilnehmern vielfältige Themen-Wünsche geäußert, die bei der bestehenden AK-Struktur nicht alle in der erforderlichen Detailtiefe behandelt werden konnten. Deshalb entschied sich eco im Jahr 2011, die Datacenter Expert Group ins Leben zu rufen. Neben dem bestehenden Arbeitskreis Datacenter konstituierten sich die Arbeitskreise „IT-Prozesse” sowie „Nachhaltiges IT-Management”. Später kam der ecoTrialog hinzu, um besseren Wissens- und Erfahrungsaustausch am Standort Norddeutschland zu ermöglichen.

„Bei den Kunden von Rechenzentren war in den letzten Jahren das Bewusstsein für eine nachhaltige Bereitstellung von IT-Dienstleistungen deutlich gestiegen. Neben den Kosten wurden immer häufiger auch ,grüne‘ Aspekte nachgefragt. Mit dem Arbeitskreis Nachhaltiges IT-Management hat eco bereits Anfang 2011 die Themen Nachhaltigkeit und IT zusammengebracht“, erklärt AK-Leiter Marc Wilkens von der TU Berlin. Von Beschaffungs-Guidelines über die Messung der Energieeffizienz im RZ-Betrieb (Produktion) bis hin zum Vertrieb wurden dabei alle wichtigen Themen bei der Bereitstellung von IT-Dienstleistungen diskutiert.

Mittlerweile machen neue Konzepte wie der Carbon Footprint für IT-Dienstleistungen die ökologischen Auswirkungen des IT-Betriebes messbar und vergleichbar. Aber auch aus ökonomischer Sicht gewinnt der Energiebedarf von Rechenzentren an Bedeutung: Heute sind die Kosten für Strom im Rechenzentrum fast genauso hoch wie die Anschaffungskosten der Server. Damit ergibt sich für die RZ-Betreiber die Herausforderung, „Green IT" nicht mehr nur als reines Marketing-Instrument einzusetzen, sondern einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess beim Energiemanagement zu etablieren. Mit dem Expertenwissen der eco Kompetenzgruppe konnte von der TU Berlin ein praxisnahes „Referenzmodell für ein Nachhaltiges Informationsmanagement" entwickelt und veröffentlicht werden. Als Ergänzung dazu wurden zum Beispiel das Framework für „Grüne Key Performance Indikatoren" und das kostenfrei herunterladbare Whitepaper „Orientierungshilfe zur Leistungsdichte und Lastverteilung im Serverraum" veröffentlicht. Auch mit den Vorträgen zur Vergabegrundlage „Blauer Engel für Rechenzentren" konnte den Teilnehmern wertvolles Expertenwissen für einen nachhaltigen Betrieb der IT zur Verfügung gestellt werden.

Veränderung aktiv mitgestalten

Durch eine stärkere Modularisierung in flexibel planbare und ausbaubare RZ-Einheiten und die damit einhergehende bessere Skalierbarkeit wurde das Rechenzentrum in den vergangenen fünf Jahren als Ganzes effizienter. Sowohl was die Energieeffizienz als auch was die Rechenpower betrifft. „Die RZ-Branche hat sich als sichtbare Größe auf dem Markt entwickelt“, erläutert Monika Grass, Inhaberin von Grass Consulting und Leiterin von eco Trialog. „Produktlieferanten und Ingenieurbüros setzen einen Schwerpunkt auf Rechenzentren und entwickeln spezialisierte Lösungen. Aber auch die Anbieter von Colocation-Flächen sehen sich nicht nur als Mitbewerber – gemeinsam versuchen sie, den Standort Deutschland im Wettbewerb zu behaupten. Facility-Management und ICT beginnen miteinander zu reden und zu agieren. Erst kürzlich hörte ich von einem Verantwortlichen für den IT-Betrieb, dass er sich zwischenzeitlich auf die monatliche Stromrechnung freue, da sie durch Optimierungsmaßnahmen die Kosten kontinuierlich senken konnten – vor fünf Jahren kannte er sicher den Stromverbrauch im RZ nicht einmal.“

Mit breitgefächerten Veranstaltungen, aktiver inhaltlicher Arbeit und zahlreichen Publikationen hat der Arbeitskreis Datacenter / die Datacenter Expert Group wesentlich dazu beigetragen, dass Themen und Trends anbieterunabhängig aufgegriffen und einem breiteren Markt bekannt gemacht wurden. „Der Arbeitskreis Datacenter und die Datacenter Expert Group haben exzellente Arbeit geleistet, sowohl was die fachliche Informationsvermittlung als auch das Networking für die gesamte RZ-Branche anbelangt. An dieser Stelle möchte ich nochmals allen Beteiligten – insbesondere den Arbeitskreis-/Kompetenzgruppen-Leitern für ihr besonders Engagement – danken! Mit annähernd 230 Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen konnten wir die Entwicklung in der Branche nachhaltig begleiten und mitgestalten“, so Roland Broch, Leiter Mitglieder-Entwicklung bei eco.

Nächstes Highlight: eco Datacenter Expert Summit

Mit dem eco Datacenter Expert Summit steht am 16. Oktober, begleitend zur it-sa 2012, in Nürnberg ein weiterer Höhepunkt bevor: eco greift im Programm die brandaktuellen
Themen der Branche auf, bringt das Who's who der europäischen Datacenter-Szene an einen Tisch und bietet den Event-Teilnehmern damit zukunftsweisendes Know-how.

Selbstverständlich hat eco noch mehr in petto: So wird in den nächsten Wochen die neue Version 3.0 des RZ-Gütesiegels DCSA veröffentlicht, bei der aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen berücksichtigt werden. Der Fokus dieser Zertifizierung liegt in den Bereichen RZ-Sicherheit, Verfügbarkeit und Redundanz der RZ-Infrastruktur. Hinzu kommen künftig Aspekte des energieeffizienten RZ-Betriebs.

Das Referenzmodell für ein Nachhaltiges Informationsmanagement wird weiterentwickelt. „Im nächsten Schritt müssen die bisherigen Ergebnisse auf die Gestaltungsebenen IT-Strategie, IT-Prozesse und IT-Systeme übertragen werden. Dafür soll das Referenzmodell mit abgestimmten Handlungsempfehlungen weiter ausgearbeitet werden“, sagt Marc Wilkens. Ziel ist es, dass Unternehmen eine ganzheitliche Sicht auf das Thema IT-Management erhalten.

Als wichtiges Thema wird in den nächsten Monaten außerdem Datacenter Infrastructur Management (DCIM) näher beleuchtet. Und allgegenwärtig ist natürlich weiterhin das Thema Energieeffizienz. Als aktuelle neue Herausforderung gilt es, die Energiewende und ihre Auswirkung auf Rechenzentren zu untersuchen. Hierfür werden die Experten der eco Datacenter Expert Group und die Wissenschaft weiter eng zusammenarbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Internetbranche nachhaltig zu sichern.

„Neben dem Problem der begrenzten ,Ressource Energie‘, mit dem der Großverbraucher Rechenzentrum noch stärker als bisher konfrontiert ist, wird sicherlich das exponentiell steigende Wachstum des Datenverkehrs eine weitere große Herausforderung sein, mit der wir uns in den kommenden Monaten und Jahren auseinandersetzen“, erklärt Broch und ergänzt: „Der Trend Big Data lässt nicht nur den Netzverkehr vom Endkunden zum IT-Dienstleister ansteigen, sondern verursacht in erster Linie mehr Traffic zwischen den Rechenzentren. Hier werden künftig neue Lösungsansätze zur intelligenten Lastverteilung eine strategische Rolle spielen müssen.“

Auch das Thema Cloud begleitet die Datacenter Expert Group weiter. „2007 befanden sich erst einige wenige IT-Servicedienstleister auf dem Weg von ASP/IT-Outsourcing über die Virtualisierung hin zum nächsten Technologiesprung in die Cloud. Heute ist Cloud Computing ein wichtiger Treiber hin zu einer stärkeren Industrialisierung und Standardisierung im Rechenzentrum“, so Broch.

„Wenn man bedenkt, dass Deutschland beim Thema Outsourcing immer noch in den Kinderschuhen steckt, so kann man für die nächsten Jahre noch eine deutlich wachsende Nachfrage nach externen Rechenzentren erwarten“, sagt Dr. Béla Waldhauser. „Die Rechenzentrumsbranche in ihrer heutigen Form ist noch nicht einmal 15 Jahre alt und hatte ihre ,Geburt‘ mit der Liberalisierung der Telekommunikation 1998 und dem darauf folgenden Internet-Hype. Trotz aller Professionalisierung ist sie noch sehr jung und ständig im Wandel. Deshalb ist nach wie vor vorrangigste Aufgabe der Datacenter Expert Group, über die neuesten Trends und deren Auswirkungen auf Rechenzentren zu informieren.“