Nur auf Platz 16 landete Deutschland beim Web Index 2012 der World Wide Web Foundation. Darin untersuchte die von Tim Berners-Lee gegründete gemeinnützige Stiftung Wachstum, Nutzung und Einfluss des Internet auf die Politik, das soziale Leben und die Wirtschaft in 61 Ländern weltweit. „Aus heutiger Sicht ist das Ergebnis zumindest bedenklich, in die Zukunft geschaut ist es ein Desaster“, kommentiert eco Vorstand Prof. Michael Rotert die deutsche Platzierung.
War das Land der Dichter, Denker und Ingenieure mit seinem fertigungsorientierten Mittelstand immer vorne dabei, bestehe nun die Gefahr des „tiefen Falls“. Ein 16. Platz für einen der wichtigsten Märkte in Europa könne nicht zufriedenstellen – Ziel müsse sein, unter den ersten Fünf zu landen. „Das Ergebnis ist ein Warnschuss. Deutschland muss bei der gerade anstehenden Entwicklung neuer Technologien, die mit der nächsten Internetversion IPv6 möglich sind, wieder aufholen“, betont Rotert.
Um den Web Index zu ermitteln, hat die World Wide Web Foundation einerseits vorhandene Daten etwa von der CIA, dem Weltwirtschaftsforum und der Weltbank herangezogen sowie andererseits eigene Umfragen durchgeführt. Die Rangliste führt Schweden mit einem Web Index von 100 an, gefolgt von den USA (97,31) und Großbritannien (93,83). Deutschland erreichte 74,87 Punkte und landete damit hinter Norwegen, Schweiz und Frankreich. Weltweit nutzt laut der Untersuchung nur jeder Dritte das Internet, in Afrika sogar bloß jeder sechste.
Reichlich Handlungsbedarf
In der Kategorie „Readiness" landete Deutschland auf Rang 13. Hier wurden die Kommunikationsinfrastruktur (Bandbreite je Internetanwender, Anzahl der Breitbandnutzer, mobiler Internetzugriff, Zugangskosten) und die institutionelle Infrastruktur (in welchem Ausmaß unterstützen und nutzen Institutionen, Organisationen und die Regierung das Web) analysiert. Beim Index „Impact“ belegte Deutschland den 17. Platz (in der Unterkategorie „Politischer Einfluss“ sogar nur den 23.) Bei der Analyse von Web Content/Web Use steht Deutschland auf Rang 11.
„Ausreden gibt es keine, lediglich Erklärungen und vor allem eine ganze Menge Handlungsbedarf“, bewertet Rotert das Abschneiden Deutschlands. „Ganz klar haben wir zum einen Nachholbedarf in der Nutzung neuer Medien und Technologien, wobei der Einsatz hier meines Erachtens gerade vom Mittelstand unterschätzt wird. Zum anderen ist Deutschland schon sehr stark reguliert, gerade was auch die Webnutzung für Geschäfte angeht. Hemmnisse, die in dieser Form in anderen Ländern nicht vorhanden sind.“ Wenn der Spruch „was im realen Leben gilt, muss auch in der virtuellen Welt gelten“ umgedreht würde in „was in der virtuellen Welt reguliert ist, muss auch im realen Leben gleich reguliert sein“, würde Deutschland auch in den bisher gut besetzten Wirtschaftszweigen gegenüber dem Rest der Welt abfallen, so Rotert.
Doch eine Platzierung unter den Top 5 sollte seiner Ansicht nach nicht um jeden Preis angestrebt werden: „Daten-, Jugend- und Verbraucherschutz sind bei uns im Web auf einem sehr hohen Level. Aber genau das sind auch Punkte, die uns möglicherweise eine bessere Positionierung kosten. Das ist der einzige Preis, den wir gerne bezahlen“, so Rotert.

