11.09.2008, Köln, 13:30 Uhr



In seinem Vortrag zum Thema Web-TV greift Evsan den unübersehbaren Trend auf, dass heute erheblich mehr Menschen Web-2.0-Medien wie Videodownloads nutzen als noch vor zwei Jahren. Dabei sind die Konsumenten noch sehr leidensfähig: “Dem User ist es inzwischen vollkommen egal, wo er etwas sieht: Ob DVD, Fernseher oder Computer. Er nimmt sogar schlechte Bildqualität in Kauf. Noch”, so Evsan. Mittlerweile gehe der Trend aber dahin, dass die Nutzer immer bessere Qualität erwarten ohne sich darum zu kümmern, welche Konsequenzen das für die Anbieter hat. Evsan: “HDTV benötigt die doppelte Bandbreite und die doppelte Serverkapazität. Videos müssen nachcodiert werden, was pro Video rund drei Minuten dauert. Bei mehreren Millionen Videos bedeutet das schon für Sevenload eine enorme Serverkapazität. Was soll das erst für YouTube bedeuten!”
Die Produzenten von Online-Videos, die zunehmend aus dem Amateurbereich kommen, verlassen sich auf die gute Infrastruktur der Plattform-Anbieter. Irgendwer werde das schon zahlen, lautet ihre Devise, sofern sie sich überhaupt darüber Gedanken machen. Evsan: “Der Traffic hat sich seit 2006 vervierfacht. Die Anwender interessiert es nicht, welche Kosten der Provider hat. Das sind Millionen und Milliarden, die irgendwer investieren muss.” Die Plattformen stehen nicht nur deswegen vor sehr hohen Investitionen, doch anders als in den USA hat sich das bei den Geldgebern noch nicht herumgesprochen: “Haben Sie in Deutschland in den letzten Monaten von einer 50-Mio-Dollar-Investition im Web gehört? Ich auch nicht. In Amerika investieren die Unternehmen aber jeden Tag solche Summen. Wenn wir in Deutschland nicht bald einsehen, dass wir die gleichen Investitionen benötigen, haben wir ein Problem”, so Evsan.
Holger Hank, Leiter Neue Medien bei der DeutschenWelle, sieht vor allem in Asien, dem Nahen Osten und Afrika Wachstumsmärkte für Breitbandinternet und Web 2.0. Zum Beispiel lesen 88 Prozent der Chinesen mit Breitbanschluss Blogs, in Deutschland nur 55 Prozent. “Deutschland hinkt bei der Web-2.0-Nutzung hinterher. Wir sind eher zögerlich und zurückhaltend, aber nicht die Vorreiter”, so Hank. Die Deutsche Welle selbst hat als traditionelles Funkhaus noch einen weiten Weg vor sich. Hank versucht deswegen auch im eigenen Haus darauf aufmerksam zu machen, dass sich der Sender vor dem Internet und Web 2.0 nicht mehr verschließen kann: “Wir müssen weg von der klassischen Trennung der Medien TV, Radio und Internet. Radio und Internet wachsen zusammen und werden modular für verschiedene Ausspielungen geplant und produziert werden.” Bei der digitalen Mediennutzung dominieren Podcasts: “Live-Streams machen bei der Nutzung unseres Online-Angebots nur noch einen ganz kleinen Teil aus. Das meiste ist inzwischen On-Demand-Download.” Deswegen werde der Live-Anteil im Radio auch bei der Deutschen Welle heruntergefahren: Hank: “Die Zukunft gehört eindeutig On-Demand.“
Traute Einigkeit danach auf der abschließenden Podiumsdiskussion: Ernesto Fries, Managing Director von Mesh Solutions, hat Hoffnung, auch mit Web-2.0-Angeboten noch etwas Geld einzunehmen: ”Content is King und guter Content ist noch besser. Dafür werden die Leute auch bereit sein, ein paar Cents zu bezahlen“. Hank ergänzt: ”Aber Content ist teuer.“ Evsan kennt zumindest theoretische eine Lösung: ”Wir müssen die Infrastruktur verbessern, den Content verbessern und auch die Werbeindustrie für das Thema Webcontent sensibilisieren.“ Nick Brambring von Zattoo findet ein aufmunterndes Schlusswort: ”Die Leute wollen weiterhin TV und guten Webcontent. Somit haben alle in der Runde hier gute Chancen glücklich zu werden.“
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