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02.09.2008, Köln, 00:00 Uhr

Blocken und Sperren im Internet – Zensur ist keine Lösung!
eco Vorstand Prof. Michael Rotert

Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Inhalten im Internet ist unbestritten und muss mit allen Anstrengungen vorangetrieben werden. Wir arbeiten hier als Verband der deutschen Internetwirtschaft an vielen Schutzmöglichkeiten aktiv mit: So beteiligen wir uns durch spezielle Hotlines unter anderem erfolgreich am Kampf gegen die Kinderpornografie und nehmen an Aktionen wie „Frag Finn“ teil, um Eltern beim sicheren Surfen ihrer Kinder zu unterstützen.

Was steckt nun hinter der Forderung des BKA, Inhalte zu sperren, wie jüngst auf einer Pressekonferenz von BKA-Präsident Ziercke erneut mit Nachdruck als Gesetz gefordert wurde und nebenbei der Internetbranche auch noch Untätigkeit vorgeworfen wurde? In dem Interview wurde auch behauptet, dass bereits in vielen Ländern solche Inhalte von Providern geblockt würden. Richtiger wäre die Aussage gewesen, dass in einigen Ländern mit nicht bestätigtem Erfolg Versuche unternommen wurden, Inhalte durch Access Provider sperren zu lassen.

Es muss jedem klar sein, dass geblockte Inhalte natürlich nicht aus dem Internet verschwinden, sondern nur für einige Teilnehmer – meist nur kurze Zeit – nicht mehr sichtbar sind. Ist also beim Blocken etwa Ohnmacht der Behörden zu spüren? Was man nicht sieht, muss man nicht verfolgen, und damit kann man dann auch gerade bei Kinderpornografie die teilweise schlechte Zusammenarbeit der Behörden auf internationaler Ebene kaschieren! Soweit eine politische Interpretation.

Aber auch aus gesellschaftlicher Sicht kann es nicht sein, dass Techniker (hier die Access Provider) entscheiden, was Verbraucher sehen dürfen und was nicht. Blocken und Sperren funktioniert in den meisten Fällen nicht zielgenau auf eine einzelne Seite, also werden zwangsläufig auch Seiten mit legalen Inhalten gesperrt. Deshalb engagieren wir uns gerade für Software, die Eltern am eigenen PC einstellen können, denn damit erfolgt auch gleichzeitig eine Erziehung zu einem vernünftigen Umgang mit den Inhalten im Medium Internet.

Und wie stellt sich eine solche Zensur technisch dar? Seiten, die man sperren will, müssten irgendwo eingetragen sein, damit bei jedem Internetzugriff geprüft werden kann, ob die gerade gewählte Seite auf dem „Index“ steht. Natürlich könnten hier nicht beliebig viele Einträge stehen, sonst müsste der Nutzer minutenlang warten, selbst wenn er eine legale Seite aufrufen will, und natürlich darf der Nutzer die Einträge für das Netz an seinem PC nicht verändern, weil sonst die Sperrliste nicht abgefragt würde. Aber wer legt fest, welche Seiten gefährlich sind, und was passiert mit den Forderungen nach Sperren von anderen Bereichen, wie beispielsweise Glücksspielseiten oder urheberrechtsverletzende Inhalte? Ist deren Sperre wichtiger, weil hier mehr Geld als beim Jugendschutz vorhanden ist?

Wehret den Anfängen, denn wie man jüngst bei der Olympiade in China gesehen hat, ist das Geschrei groß, wenn versucht wird, einzelne Inhalte im Internet auszusperren.

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