eco Kongress: Treffpunkt Zukunft

Am 19. November 2014 trafen sich Visionäre und Experten der Internetbranche zum eco Kongress im RheinEnergieStadion in Köln. Die Besucher erlebten kurzweilige Keynotes, hochklassige Tracks und spannende Diskussionen zu Zukunftsthemen wie Enterprise Mobility, Physicalisation versus Virtualisation im Data Center, Smart Home und Neue Top Level Domains. Die besondere Atmosphäre des Stadions lud zudem zum entspannten Networking mit der Branche ein.

Nach der Begrüßung durch die Moderatoren Jochen Spangenberg und Wilfried Runde übernahm Markus Schaffrin, Geschäftsbereichsleiter eco Mitglieder Services, das Wort und begrüßte das 800. Verbandsmitglied ProCom-Bestmann. "Noch ohne etwas getan zu haben, werde ich schon ausgezeichnet“, scherzte Jens Bestmann und unterzeichnete feierlich den Mitgliedsantrag. Die PlusServer AG, Inxmail GmbH und PartnerGate GmbH wurden darauf folgend für ihre zehnjährige Mitgliedschaft im Verband geehrt.

eco_kongress-2014_2Mit der Keynote „Star Trek: Facts & Fiction“ führte Prof. Dr. Metin Tolan (TU Dortmund) in den Tag ein. Der populärwissenschaftliche Vortrag über die Speicherkapazität des Raumschiff Enterprise wurde vom Auditorium begeistert aufgenommen. Tolan stellte die Grundlagen der Star Trek Technologie vor und fragte: „Gibt es bald einen Replikator?“ oder „Können wir uns zum nächsten Geschäftstermin beamen?“

Die erste Podiumsdiskussion widmete sich im Anschluss dem Thema „Big Data, Cloud & M2M - vom Buzz zum Biz“. Nach wie vor werden massive Cloud Computing Strukturen aufgebaut und weiter standardisiert. Trotzdem bleiben die Fragestellungen dazu komplex. Wichtig seien dezentrale Rechenzentrumsbereiche und die Möglichkeit, Daten dezentral abrufen zu können. „Wie stellt sich Interxion darauf ein?“ fragt Moderator Andreas Weiss Peter Knapp von der Interxion Deutschland GmbH. „Der Content will näher zum Endnutzer“, fasst Peter Knapp seine Ausführungen zusammen.

Über die Wünsche an die Verbände sind sich die Diskussionsteilnehmer einig. Sie sollen vorrangig in die Politik und in die Wirtschaft vermitteln: Oft wüssten auch Top Manager nichts von den Themen der digitalen Wirtschaft. Die digitale Welt zahle zuviel für Strom, auch dafür wünschte sich das Podium eine deutliche finanzielle Entlastung, wie es etwa bei Maschinenbauunternehmen der Fall ist. Wesentlich sei der Ausbau des Breitbandnetzes und als oberstes Ziel gelte es, weiter Aufmerksamkeit zu schaffen, um die angesprochenen Themen setzen zu können.

eco_kongress-2014_3Im Anschluss verlieh die Deutsche Bank den Innovationspreis „Ausgezeichneter Ort 2014/15“ an das Dortmunder Unternehmen VIVAI Software AG für seine Machine-to-Machine-Lösung „M2M Teledesk“. Dr. Bettina Horster, Vorstand der VIVAI Software AG und Direktorin der Kompetenzgruppe Mobile im eco Verband bedankte sich in einer kurzen Rede für die Zusammenarbeit mit der FH Dortmund und dem Landmaschinenhersteller CLAAS GmbH.

Enterprise mobility und Physicalization vs. Virtualization

Einfach. Anders. Arbeiten. So lautete der Titel des von Detlev Artelt (Aixvox GmbH) moderierten Tracks: Wie schaffen wir es mit enterprise mobility management wertschätzend, wirtschaftlich und visionär zu arbeiten? An vielen unterschiedlichen Beispielen stellten die Referenten anhand ihrer Produkte vor was die Zukunft des Arbeitens verändern wird. Das Fazit: Unternehmer sind gehalten, bei jeder Entscheidung für ein Produkt, den Fokus auf den Menschen zu legen.

eco_kongress-2014_7In dem parallel laufenden Track „Physicalization vs. Virtualization“ stieg Cloud Evangelist Victor Hagen (Cisco Systems) mit der These in seinen Vortrag ein, dass die IT nicht nur Provider der Infrastruktur sein müsse, sondern als Partner für Services verstanden werde sollte. Der IT-Bereich solle aus seinem Schattendasein heraustreten und in Wechselwirkung mit Cloudlösungen zusammen an der Evolution der Unternehmen aktiv teilnehmen.

Wolfgang Christmann (christmann informationstechnik + medien GmbH & Co. KG) setzt auf den Einsatz vieler kleiner Server, die achtzig Prozent weniger Platz im Rechenzentrum und auch nur achtzig Prozent weniger Strom brauchen. Die Möglichkeit sich die Hardware selbst zusammenzubauen und nach den jeweiligen Bedürfnissen zu kombinieren (self defined IT) spare Geld. Facebook habe durch den Einsatz eigener Hardware 1,2 Mrd. Dollar eingespart.

eco_kongress-2014_6Ist das gesamte Rechenzentrum im Jahre 2020 virtualisiert? Diese Frage stellt Dr. Ralph Hintemann (Borderstep Institut) in den Mittelpunkt seiner Ausführungen: Sechzig Prozent der Rechenzentrumsbetreiber sagen, sie hätten im Jahre 2025 kleinere Flächen. Im anschließenden Podiumsgespräch wurde die Frage aufgeworfen wie „pay as you use“ genutzt werden kann. Ist das nur machbar, wenn man einen Service nutzt den man physikalisch nicht selbst besitzt? Sichere Cloudanwendungen sollten das Ziel der deutschen IT-Industrie sein. Viktor Hagen fasste das Grundproblemzusamm: „Der Wille ist da, das Know-how auch, aber die Umsetzung erfolgreicher Cloudlösungen ohne Bandbreite ist nicht machbar.“

„Einfach machen“ mit Crowdsourcing

Im Anschluss an die Mittagspause hielt Bundesverdienstpreisträger und Barrierefreiheitsaktivist Raúl Krauthausen seine Keynote und beeindruckte mit seinem Motto „Einfach machen“ das anwesende Publikum nachhaltig. Seine Denkfabrik für soziale Projekte, die SOZIALHELDEN arbeitet mit „Design Thinking“, bleibt mit zehn Personen übersichtlich und legt den Fokus stattdessen auf Projekte, die so vielseitig wie innovativ sind. Wheelmap.org und „Pfandtastisch helfen!“ machen es deutlich: Der Mensch ist der Erfinder und kann mit Bewusstsein und Spaß Dinge bewegen.

eco_kongress-2014_4Die an die Keynote angelehnte Podiumsdiskussion zum Thema „Crowdsourcing“ wurde von Claudia Pelzer (CrowdsourcingBlog.de) moderiert. Auf dem Podium nahmen neben Raúl Krauthausen auch Georg Hansbauer (Testbirds GmbH) und Phillip Baumgärtel (Protonet) teil. Raúl Krauthausen berichtete insbesondere über seine Erfahrungen mit der Crowd sowie ihrer zentralen Rolle bei der Finanzierung und Weiterentwicklung seiner Projekte. Er stellte fest: Nur im Netzwerk mit dem User wird man stark.

Eine Änderung der Gesetze könne Crowdsourcing voranbringen, die Crowd biete mehr Freiheiten für Unternehmer, da man weniger von Investoren abhängig sei und Crowdfundingportale müssten mehr Usability für beide Seiten aufweisen. Wie kann man Leute aktivieren an Projekten teilzunehmen? User müssen ernst genommen werden und als Unternehmen solle man mit Demut vorgehen.

Smart Homes und new gTLDs

Die nach der Kaffeepause angesetzte Veranstaltung unterteilte sich wiederum in zwei Abschnitte. Track A beschäftigte sich mit dem Thema Smart Home, Track B mit der Einführung neuer Top Level Domains. Die Entwicklungen im Bereich Smart Home sind nicht mehr aufzuhalten und schreiten immer rasanter voran. Spätestens seit diesem Jahr ist das Thema im Massenmarkt angekommen. Service Provider, Energieversorger oder Telekommunikationsunternehmen tragen mit ihrer Hinwendung zur Smart Home Sparte hinlänglich zur positiven Entwicklung bei. Die Top 3 Smart Home Themen sind demnach Home control, Home energy und Home safety. Dr. Bernd Kotschi (KOTSCHI CONSULTING) gab einen Überblick über den Smart Home Markt in Deutschland. Aus Unternehmersicht sei Usability der Hauptkaufgrund für Smart Home Produkte, danach käme das Design und die Hardware, zum Schluss der Preis. Die Zukunft sei das sogenannte „Internet der Dinge“. Bis 2020 würden 50 Mrd. Devices miteinander verbunden sein. Für den Hausgebrauch werde es kleine Komplett Sets geben und Premiumkunden steuerten ihre Devices über luxuriöse Wandpanele.

eco_kongress-2014_5Bei Track B lag der Fokus mit internationalen Gästen aus Amerika und Belgien auf den neuen generic Top Level Domains (gTLD). Oliver Elste (smart NIC GmbH) referierte einleitend über den Einfluss von Sprache auf die Wahl einer TLD: Denn Sprache definiert die Welt.
Ulrich Retzlaff (Public Interest Registry) fand ehrliche Worte über die Vergangenheit der Domain Name Industrie: „Wir saßen da und zählten Domains“. So werde das in Zukunft nicht mehr machbar sein, deshalb sollten folgende Ansätze für die neuen gTLDs gelten: Die Kommunikation mit den Endkunden muss erweitert und die Änderung der „Internet-Sprache“ unterstützt werden. Denn das Geld liege in den Erneuerungen und Verlängerungen der TLDs und diese seien abhängig von der der tatsächlichen Nutzung. „Die Domainszene muss sich durch innovative Dienstleistungen und eine Begrenzung der Registrierung einen Platz am Markt sichern“, formulierte Ulrich Retzlaff die Zukunftsperspektiven. „Wir können nicht erwarten, dass Menschen neue Top Level Domains kaufen, nur weil es sie gibt.“ Jeff Neuman (Neustar, Inc.) bringt es abschließend auf den Punkt: Die neuen TLDs müssten direkt über die Verbraucher an den Markt gebracht werden. Zu guter Letzt fragten sich alle Diskussionsteilnehmer, was wohl zukünftig die „Killer“-TLD sein würde: .shop oder doch .music?

eco_kongress-2014_8Der renommierte Patentanwalt Dr. Rolf Claessen (Patentanwälte Freischem) hielt die Abschlusskeynote des Tages „Goldbären und Bier“. Der Markenrechtsexperte führte kurz und humorig in die kuriosesten Markenrechtsfälle ein und schilderte diese an zahlreichen Beispielen. Aus seinem prall gefüllten Koffer zauberte er zahlreiche Süßigkeiten und verteilte diese an das Publikum, um seine Ausführungen zum Thema Markenschutz eindringlich zu untermalen.

Die Moderatoren Jochen Spangenberg und Wilfried Runde fassten abschließend die Kongress Highlights stichwortartig und in Form eines Rap-Battles gelungen zusammen: Auf die Frage warum er eigentlich kein Projekt zum Thema Behinderung machen wollte, sagte Raúl Krauthausen: "Nicht jede Frau wird ja auch Frauenbeauftragte". Von Prof. Dr. Metin Tolan blieb folgende Aussage im Gedächtnis: „Optimismus ändert nicht die Gesetze der Physik.“ Eines lässt sich zusammenfassend sagen: Der Mensch und seine neue Lebensweise in der digitalen Transformation sollten als zentrale Überlegung bei allen Innovationsbestrebungen betrachtet werden.

Das Moderatoren-Duo schaffte somit eine gelungene Überleitung zum geselligen Abschluss des eco Kongress 2015. Stadionführung, Kölsches Buffet und das ein oder andere kühle Helle förderten das Networking und viele Teilnehmern verabschiedeten sich mit den Worten. “Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!“

Weitere Fotos von der Veranstaltung gibt es im Flickr-Album.