10.06.2020

Im Gespräch mit Julia Rupp

Es gibt tausende gute Gründe, warum die Internetwirtschaft weibliche Verstärkung braucht. Schließlich stehen zahlreiche Jobangebote dem Fachkräftemangel gegenüber oder aber homogene Teams und Denkweisen Innovationen im Wege. Die Digitalbranche boomt, täglich entstehen neue digitale Geschäftsmodelle und schaffen lukrative Jobs, doch die lassen sich Frauen noch zu häufig entgehen. Wir wollen das ändern. In unserer Serie „Frauen in der Tech-Branche“ kommen inspirierende weibliche Fach- und Führungskräfte der Internetbranche zu Wort. Dabei sprechen wir über die wirklich wichtigen Themen: von Entwicklungsperspektiven über Karrieretipps und Zukunftswünsche bis hin zu den Herausforderungen in einem männerdominierten Arbeitsumfeld und warum Arbeit in der Internetbranche Spaß macht. Diesmal mit: Julia Rupp.

 

Was steht auf deiner Visitenkarte?
Julia Rupp: Referentin für Cybersecurity

 

Das klingt so spannend, dass ich mich direkt auf deinen Job bewerben möchte. Was würde mich im Arbeitsalltag erwarten?
Rupp: Beim Live Hacking geht es darum, den Zuhörern IT-Sicherheitsthemen näher zu bringen. Ich erkläre dem Publikum, wie Hacker vorgehen, um Daten zu stehlen und gebe Hilfsmittel an die Hand, damit man selber nicht auf Betrugsmaschen, Spam und Phishing hereinfällt. Vor Corona haben wir unsere Live Hacking Events bundesweit in Unternehmen und Schulen durchgeführt. In unserem Büro in Gelsenkirchen bereite ich zudem neue Szenarien für das Live Hacking vor oder schreibe Blogbeiträge, damit sich das Publikum auch nach der Veranstaltung noch weiter informieren kann.


Wenn dich eine Frau beliebigen Alters als Mentorin um einen Tipp bitten würde. Was würdest du ihr raten? Kennst du Stolpersteine und Erfolgsmethoden? Dinge, die Frau in der Internetbranche vielleicht besser anders macht? Oder Dinge, die zum Erfolg führen?
Rupp: Mein erster Tipp lautet: Man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, als Frau einen Beruf zu wählen, der nach wie vor von Männern dominiert wird, sondern seine eigenen Interessen verfolgen und seine Begeisterung und Leidenschaft in dieses Feld einbringen. Ich habe zum Glück immer sehr viel Zuspruch und Unterstützung erhalten, sei es von der Familie, Freundinnen/en, Kommilitoninnen/en oder Kolleginnen/en. Wie in jedem anderen Berufsfeld sollte man Interesse und Begeisterung mitbringen und offen auf andere zugehen. Ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass die eigenen Fähigkeiten zählen und nicht das Geschlecht. Wenn ich als Frau im Arbeitsumfeld einen anderen Umgang als meine männlichen Kollegen erfahren würde, würde ich direkt das Gespräch suchen. Mir widerstrebt es dabei mich als Frau auf Klischees zu berufen und diese auszuleben. Gerade im IT-Bereich herrschen oftmals flache Hierarchien und es wird bewusst nach Frauen gesucht, um Teams diverser zu gestalten. Diese Chance sollten Frauen wahrnehmen. Und Frauen sollten sich gegenseitig unterstützen. Wenn ich über eine Stellenanzeige stolpere, die für eine Freundin oder Bekannte interessant sein könnte, leite ich sie weiter.

 

Wenn du selbst eine beliebige, weibliche Persönlichkeit (gerne aus der Tech-Branche) – egal ob lebendig oder tot – treffen dürftest: Wer wäre es und warum?
Rupp: Ich würde mich gerne in einer gemütlichen Runde mit Amanda Rousseau austauschen. Sie ist Malware Forscherin und arbeitete als eine der ersten an der Ransomware-Attacke WannaCry mit.

 

Wir geben dir jetzt mal einen anderen interessanten Job und machen dich zur Chefredakteurin eines Leitmediums – egal ob Bild oder FAZ: Welche Schlagzeile würdest du zum Thema „Diversity/Frauen in der Tech-Branche“ im Aufmacher-Artikel deiner Redakteurin gerne lesen? Und was soll in dem Artikel stehen?
Rupp: Meine Schlagzeile lautet “Frauen an der Spitze der Tech-Branche“. Dabei würden mich Erfahrungen von anderen Frauen interessieren, die einen komplizierten Weg hinter sich haben oder auf Stolpersteine gestoßen sind. Um so möglichst viele Frauen zu erreichen und davon zu überzeugen, dass sie in einem männerdominierten Arbeitsumfeld erfolgreich sein können. Denn aus meiner Sicht ist es wichtig, Frauen zu bestärken diesen Weg einzuschlagen, damit sie in der Tech-Branche nicht unterrepräsentiert sind.

 

Stellen Sie sich vor, Sie müssen eine Führungsposition in Ihrer IT-Abteilung besetzen. Wie und wo suchen Sie kreativ nach geeigneten Bewerberinnen? Wie schaffen Sie es, dass sich qualifizierte Frauen auf die Stelle bewerben?
Rupp: Ich würde nicht den klassischen Weg gehen und eine Stellenausschreibung aufsetzen, sondern Frauen gezielt ansprechen. Dabei greife ich auf bereits bestehende Kontakte zurück und setze Recruiter und Personalberater ein. Um eine potentielle Stelle zu besetzen, greife ich gerne auf mein Netzwerk zurück. Wenn es in meiner Abteilung bereits Mitarbeiterinnen gibt, die für diese Position in Frage kommen, werde ich unterstützend tätig und mache die Mitarbeiterin gezielt auf die zu besetzende Stelle aufmerksam und motiviere sie, sich zu bewerben.

 

Welche Fragen im Kontext Diversity und Frauen in Tech möchten Sie uns für unsere nächste Interview-Partnerin mitgeben?
Rupp: Wie kann man mehr Frauen in Ausbildungsberufe und Studiengänge bringen, die nach wie vor sehr männerdominiert sind?

LiT - Ladies in Tech 3