ISD 2022 - Nachbericht

Nachbericht zu den Internet Security Days 2022

IT-Sicherheit für eine verschärfte Bedrohungslage: Mit rund 250 Teilnehmer:innen pro Veranstaltungstag waren die 12. Internet Security Days (ISD) im Phantasialand Brühl ein voller Erfolg.

Die Teilnehmer:innen strahlten am Morgen des 29. Septembers mit der Sonne über dem Phantasialand um die Wette: Die Freude, dass die größte IT-Sicherheitskonferenz der Region endlich wieder als Live-Event stattfinden kann, stand allen ins Gesicht geschrieben. IT-Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland kamen nach Brühl, um sich vor Ort über IT-Sicherheitsherausforderungen auszutauschen und alte und neue Kontakte zu pflegen. Der Verband der Internetwirtschaft eco richtet die Konferenz jährlich gemeinsam mit der heise Academy im Phantasialand Brühl aus.

Das Thema IT-Sicherheit ist dabei im Herbst 2022 brandaktuell, der Ukraine-Konflikt und wirtschaftlich motivierte Attacken mit Erpressungstrojanern (Ransomware) bedrohen kleine und große Unternehmen sowie Behörden in einem nie gekannten Maße.

Diesen Umstand sprach Prof. Norbert Pohlmann in seiner Begrüßung an. Der eco Vorstand für IT-Sicherheit betonte, die Notwendigkeit für einen engen persönlichen Austausch sei größer denn je: „IT-Systeme und Infrastrukturen sind nicht sicher genug konzipiert, aufgebaut, konfiguriert und upgedatet, um allen intelligenten Angriffen standzuhalten“, gab er zu bedenken. Ein Grußwort sprach anschließend Frank Rock, Landrat des Rhein-Erft-Kreises.

Die wichtigsten Tipps unserer ISD-Expert:innen

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IT-Sicherheits-Champions vermeiden Schäden

Rund 40 namhafte Expertinnen und Experten hielten anschließend Vorträge oder sprachen in Paneldiskussionen über IT-Sicherheit. Den Anfang machten Paul Kaffsack (Myra Security) und Christian Knothe (1&1 Versatel) mit ihrer Keynote. Sie nannten gute Gründe und Strategien für IT-Sicherheit, die auf europäischen Schutzlösungen basieren. „Nutzen Sie die Möglichkeiten lokaler Dienstleister und europäische Hidden Champions“, sagte Paul Kaffsack. Ziel sei die Reduktion von Angriffsflächen und Risiken, um Schäden zu vermeiden. Über eine Automatisierung der Cyberabwehr sprach Thorsten Deutrich (GlobalDots) und stellte Vulnerability Scanning, eine realtime Überprüfung von Datenpunkten und andere neue Schutz-Instrumente vor.

Die Erkennung gefakter Bilder wird immer schwieriger, selbst viele Videos lassen sich nur mithilfe forensischer Methoden als gefälscht entlarven. Solche Deep-Fakes setzen Cyberkriminelle etwa für CEO-Fraud-Attacken ein, die Millionen-Schäden verursachen können, sagte Dr.-Ing. Christian Krätzer von der Fakultät für Informatik der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg. Er sprach über „Die Rolle von KI in modernen Angriffsvektoren sowie Methoden der IT-Sicherheit.“ Das Material zur Erstellung von Deep-Fakes einer Zielperson ist frei im Netz verfügbar, die Erstellung vergleichsweise günstig.

Regelmäßige Pausen geben den Teilnehmenden ausreichend Raum zum Netzwerken und um sich zu stärken – beispielsweise an der Espresso- und an der Candy-Bar, die mit Unterstützung von LastPass für alle Gäste geöffnet hatten.

Kein Lösegeld an Cyberkriminelle zahlen

Informationssicherheit in der Industrie – Das nächste Must-Have? Das fragte Gökhan Kurtbay (CNX Consulting Partners). Der Ruf des deutschen Mittelstands in Sachen Cybersicherheit sei schlecht. Zurecht, wie er sagt, da viele Verantwortliche eine gefährliche Ignoranz an den Tag legen. Er erwartet, dass es bald mehr gesetzliche Vorgaben für IT-Sicherheit in Unternehmen geben wird.

Wie schnell es auch Behörden erwischen kann, das zeigte der Cyberangriff auf den Landkreis Anhalt-Bitterfeld. Über den sprach Sabine Griebsch (CDO im Landkreis Anhalt-Bitterfeld): „Wir müssen entsprechende Standards und die Grundlagen dafür schaffen, Angriffen vorzubeugen, um ein nachhaltiges Schutzniveau sicherzustellen“, sagte sie in ihrem Vortrag. Ein enger Austausch hinsichtlich Verfahrensweisen sei nötig. Lösegeld sollten Opfer von Cyberkriminellen nicht zahlen, rieten auch Chris Lichtenthäler und Melanie Vorderobermeier, beide von Deloitte, in ihrem Vortrag mit dem Titel „Die unsichtbare Hand im Cyberraum“. Im anschließenden Panel „War Stories“ berichteten den Teilnehmer:innen von ihren Erfahrungen im Umgang mit einem aktuellen Vorfall.

Security Everywhere forderte Andreas Münch von Akamai in seinem Vortrag: „Mithilfe Künstlicher Intelligenz erkennen wir Muster und können so DDos Attacken abwehren.“ Vor der Mittagspause gratulierte eco Geschäftsführer Alexander Rabe langjährigen eco Mitgliedsunternehmen. Urkunden für 25 Jahre Mitgliedschaft im eco Verband bekamen die Microsoft Deutschland GmbH und die CANCOM Managed Services GmbH überreicht. Für 15 Jahre eco Mitgliedschaft wurden die HKN GmbH, FreiNet GmbH und die mediaBEAM GmbH geehrt.

Cybercrime – The show goes on

Wie gehen die Täter vor und wie kann man sich angemessen schützen?

Vertrauen im Internet - Trust me if you can

Wie sehen praxistaugliche Konzepte zum Schutz von Vertraulichkeit und Authentizität aus?

Am Anfang war die Sicherheit – Ein Wunschtraum?

Wie können Produkte über den gesamten Lebenszyklus sicher gestaltet werden?

Secure World – Sicherheit für eine vernetzte Welt

Wie kann die vernetzte Welt sicher gestaltet werden?

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Sich auf IT-Krisen jetzt vorbereiten

Snehal Antani, CEO des Sponsors HORIZON3.ai, eröffnete die zweite Tageshälfte mit einer Keynote zu „SOC (Security Operations Center) Effectiveness“. „Härten Sie Ihre Sicherheitssysteme, indem Sie Angriffsvektoren finden und beseitigen, bevor Kriminelle sie ausnutzen können“, forderte er. Er gab Tipps dafür, die richtigen Daten zu protokolieren, um Schwachstellen zu beheben und um Tools optimal zu konfigurieren.

„Das Innere des IoT-Produkts definiert Ihre Cybersicherheit“, sagte Mirko Ross von der asvin GmbH. In seinem Vortrag zeigte er europäische Regularien, auf die sich die Industrie einstellen muss. In Sachen IoT-Sicherheit wird sich einiges drastisch ändern, sagte er voraus: „Nur Regulation kann das Problem beheben, die Industrie alleine schafft das nicht.“

Neuen Regeln für Web-App- und API-Sicherheit präsentierte Kai Boyd von Fastly, mit denen sich Cyber-Bedrohungen effektiver abwehren lassen. Wie KI im Kampf gegen Ransomware hilft, Risiken zu erkennen und einzudämmen, erläuterte Martin Meyer von Rubrik Germany GmbH. Wertvolle Tipps gab er auch zum Thema Backups, die logisch vom Netzwerk isoliert und durch Multi-Faktor-Authentifizierung abgesichert sein sollten.

Networking bei der Internet Security Night

„IoT Geräte werden immer stärker zum potenziellen Angriffsziel für Hacker“, sage Tatjana Hein, eco e.V. in der Podiumsdiskussion am Nachmittag. Mit ihr diskutierten auf dem Podium Olaf Pursche (AV-Test), Rainer M. Richter (HORIZON3.ai) und Paul Trinks (BSI). Sie alle gaben Tipps, wie Cyber-Angriffe auf Sicherheitslücken abgewehrt werden können, die durch unterschiedliche Betriebssysteme und Standards im Internet of Things (IoT) reichlich vorhanden sind.

Auf Kommunikations-Erfordernisse im Krisenfall wies Hauke Gierow von PIABO PR zum Ende des ersten Konferenz-Tages hin. „Krisenkommunikationsfähigkeit muss man im Vorfeld sicherstellen“, mahnte er in seinem Vortrag und gab Tipps, wie Unternehmen die Kommunikation im Cybersicherheitsnotfall jetzt vorbereiten sollten.

Mit der Internet Security Night 2022, gesponsert von Rubrik Germany GmbH, stand am Abend des ersten Konferenztages ein ganz außergewöhnliches Networking-Event auf der Agenda. In der Themenwelt „Deep in Africa“ des Phantasialands bereiteten Trommelgruppen und ein Akustikduo den Gästen einen herzlichen Empfang. Anschließend öffnete mit der Black Mamba eine der Hauptattraktionen des Phantasialandes exklusiv für die ISD-Besucher:innen – mit Unterstützung des Sponsors Fastly. Einige Gäste drehten Runde um Runde mit der schnellen Achterbahn. Parallel dazu gab es ein reiches Buffet feiner afrikanischer Speisen. Viele Gäste waren nach dem langen Konferenztag noch in Feierlaune und freuten sich über DJ und Dancefloor. Für andere ging der Abend bei Networking und Erfahrungsaustausch an der Hotelbar zu Ende.

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Die wichtigsten Tipps unserer ISD-Expert:innen

Tag 2: Vertrauen in Digitalisierung steigern

Wie spät es bei der Internet Security Night für einzelne auch wurde, alle waren um 9 Uhr morgens zur Eröffnung des zweiten Konferenztages wieder im Tagungszentrum Quantum des Phantasialands vor Ort. „Wir haben in Sachen IT-Sicherheit in Deutschland kein Maßnahmendefizit, sondern ein Umsetzungsdefizit“, sagte Dr. Dirk Häger (BSI) in seiner Keynote. Cyber-Sicherheit müsse Chefinnen- und Chefsache sein, forderte Häger und gab einen Überblick über die aktuelle Bedrohungslage.

Es folgten Vorträge und Diskussionen zu „Am Anfang war die Sicherheit – Ein Wunschtraum?“ und „Vertrauen im Internet – Trust me if you can“ – so die Titel der beiden parallelen Vortrags-Tracks.

Welchen Beitrag digitale Identitäten leisten, um das Vertrauen im Internet zu stärken, darüber sprachen Markus Schaffrin (eco) und Frank Schmeiler (techconsult). Beide stellten die Ergebnisse der Studie „Security & digitale Identitäten in einer digitalisierten Welt“ vor, die techconsult und eco im Frühjahr 2022 veröffentlicht hatten. „Digitale Identitäten sind Treiber der Digitalisierung“, so Frank Schmeiler. „Unternehmen und öffentliche Hand haben auf dem Weg dahin jedoch viele Herausforderungen zu meistern.“

Beispiele für Storytelling rund um Cyber-Attacken auf Bankkunden gab anschließend Dr. Boris Hemkemeier von der Commerzbank. Er gab einen Überblick darüber, wie Angreifer Kunden mit plausiblen Geschichten davon überzeugen wollen, ihnen freiwillig Geld zu senden. „Je besser die Story ist, desto bereitwilliger geben Menschen kritische Informationen preis“, sagte Hemkemeier.

Sicherheitsfaktor Mensch

„Storytelling ist auch bei Security-Themen wichtig“, bestätigt anschließend Marcus Beyer (Swisscom Trust Services AG). Er warb für ein größeres Verständnis des Faktors Mensch in der Cybersecurity: „Der Mensch ist und bleibt Angriffsziel Nr. 1, daher muss Mitarbeiter-Sensibilisierung rocken!“, forderte er.

Später am Vormittag stand Resilienz für IT-Infrastrukturen im Fokus einer Panelisten. Wohin steuern wir? Moderiert von Philipp Ehmann (eco) fragten das Klaus Landefeld (eco), Thomas Niessen (Trusted Cloud) und Steve Ritter (BSI). Sie erörterten Möglichkeiten und Chancen zur Verbesserung der Resilienz im digitalen Raum.

Zwei Vorträge von Sponsoren rundeten den Vormittag ab: Michael Veit von Sophos sprach über Strategien, mit denen sich potenzielle Bedrohungen proaktiv aufspüren lassen, um Cyberattacken möglichst direkt im Keim zu ersticken. Dr. Michael Lemke von Huawei Deutschland warf hingegen einen Blick auf das Gesamtbild der Cybersecurity mit einem Fokus auf Cloud-Technologien.

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Digitale Verantwortung und die Hacker-Perspektive

Welche Orientierungspunkte für Vertrauen im digitalen Raum haben wir? Das fragten – moderiert von Vivien Witt (eco) – Andreas Weiss (eco), Ralf Benzmüller (G Data) und Jutta Juliane Meier (Identity Valley) am Nachmittag. Gemeinsam stellten sie die Digital Responsibility Goals vor – Formulierungen, die als Leitplanken für einen verantwortungsvollen Umgang mit innovativen Technologien gelten sollen. „Wir haben messbare Ziele für einen vertrauens- und verantwortungsvollen Umgang in der digitalen Welt formuliert“ sagte Jutta Juliane Meier.

Der zweite Konferenztag ging mit einer Keynote des Hackers Felix FX Lindner zu Ende, der in seiner Einschätzung der IT-Sicherheitslage kein Blatt vor den Mund nahm: „Wir haben noch nicht rausgefunden, wie man fehlerfreie Software baut“, sagte er zum Abschluss der ISD 2022. Der weitere Austausch ist also notwendig und wichtig, weshalb die Veranstalter sofort ankündigten, dass die ISD auch 2023 wieder stattfinden sollen. Zum Abschluss dankte Markus Schaffrin allen Teilnehmer:innen und den Sponsoren Myra, Horizon3.ai, Akamai Technologies, Fastly, GlobalDots, Sophos, LastPass, Rubrik, Huawei & P3KI GmbH: Wir freuen uns auf die ISD 2023.

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