17.03.2026

Rechenzentrumsstrategie bleibt bei Strompreisen und Energieeffizienz zu unkonkret

  • Ausbauziele setzen richtiges Signal für KI und Standort
  • Netzanschlüsse und Konnektivität werden endlich adressiert
  • Strompreise und Investitionsbedingungen bleiben ungelöst
  • Energieeffizienzgesetz deutlich vager als im Januar-Entwurf
  • Blauer Engel als Maßstab praxisfern

Berlin, 17.03.2026 – Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen unter dem Dach von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. begrüßt zentrale Elemente der Nationalen Rechenzentrumsstrategie der Bundesregierung, die morgen im Kabinett verabschiedet werden soll. Insbesondere die Zielsetzung, die Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 zu verdoppeln und KI-Kapazitäten zu vervierfachen, setzt aus Sicht der Branche ein wichtiges Signal für Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität.

„Die Strategie setzt ein klares Signal: Rechenzentren sind zentrale Infrastruktur für den digitalen Wandel. Jetzt muss die Politik liefern, mit konkreten und verlässlichen Rahmenbedingungen“, sagt Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen.

Positiv bewertet die Allianz vor allem die geplante Beschleunigung von Netzanschlüssen sowie die  stärkere Verzahnung der RZ-Standortentwicklung mit dem Ausbau der Energieinfrastruktur. Auch dass Konnektivität und der Ausbau der Telekommunikationsnetze ausdrücklich als Standortfaktor adressiert werden, ist ein wichtiger Schritt, denn Rechenzentren müssen als Teil eines gesamten Ökosystems digitaler Infrastrukturen gedacht werden.

„Ohne schnelle Anschlüsse an das Stromnetz und leistungsfähige Netze gibt es keinen Ausbau. Projekte müssen nach dem Prinzip ‚first ready, first serve‘ priorisiert werden, sonst verlieren wir weiter Zeit im Wettbewerb“, so Waldhauser.

Gleichzeitig bleiben zentrale Standortfragen aus Sicht der Branche offen. Dazu zählen insbesondere wettbewerbsfähige Strompreise sowie verlässliche Investitionsbedingungen. Die Strategie benennt zwar die richtigen Herausforderungen, bleibt bei konkreten Lösungen jedoch vage.

„Beim Strompreis entscheidet sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Hier reichen Ankündigungen nicht, es braucht schnell konkrete Maßnahmen“, betont Waldhauser.

Kritisch sieht die Allianz zudem, dass Ankündigungen zur geplanten Novelle des Energieeffizienzgesetzes unkonkret bleiben. Die Ankündigung „pragmatischerer“ PUE-Vorgaben ist grundsätzlich sinnvoll, im Strategietext jedoch weniger konkret als noch im Januar-Entwurf. Damals wurde konkret angekündigt die Vorgaben zukünftig auf den Design-PUE abstellen würden anstelle des Betriebs-PUE. Wie diese Anforderungen künftig ausgestaltet werden sollen, bleibt offen.

Auch beim Thema Abwärme fehlt es weiterhin an konkreten Ankündigungen wie die EnEfG- Regelungen praxisnäher werden sollen. Trotz richtiger Ansätze bleiben die Rahmenbedingungen für eine wirtschaftliche Nutzung unklar.

„Bei Energieeffizienz und Abwärme fehlt es aktuell an Klarheit. Ohne praxistaugliche Vorgaben entsteht Unsicherheit und die bremst Investitionen“, sagt Waldhauser.

Kritisch bewertet die Allianz zudem die Orientierung am Blauen Engel als möglichen Maßstab für EU-Mindestanforderungen. Als freiwilliger Standard konnte sich der Blaue Engel im deutschen RZ-Markt aufgrund starrer Bewertungskriterien nicht in der Breite etablierern, als regulatorische Blaupause für EU-Mindestanforderungen ist er daher ungeeignet.

„Der Blaue Engel ist kein Industriestandard. Er ist außerhalb Deutschlands weder als Umweltzeichen akzeptiert noch bekannt. Ihn als Maßstab für Mindestanforderungen heranzuziehen, würde den Ausbau eher hemmen als fördern“, so Waldhauser.

Positiv ist hingegen, dass die Strategie die Rolle der Kommunen stärker in den Blick nimmt. Für Flächenverfügbarkeit, Genehmigungen und Akzeptanz sind sie ein entscheidender Faktor. Insbesondere das Vorhaben, Standortkommunen stärker am Gewerbesteueraufkommen zu beteiligen, ist in dem Kontext ein sinnvoller Hebel.

Fazit: Die Allianz sieht in der Strategie ein wichtiges politisches Signal mit vielen richtigen Ansätzen. Entscheidend wird nun sein, diese zügig zu konkretisieren und in investitionsfreundliche Rahmenbedingungen zu übersetzen.

„Die Richtung stimmt. Jetzt kommt es auf Tempo und Verlässlichkeit in der Umsetzung an“, so Waldhauser.

Über die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen

Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen ist ein Zusammenschluss führender Unternehmen der Branche. Die 2018 unter dem Dach von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. gegründete Initiative will durch den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit auf die Bedeutung digitaler Infrastrukturen für den Wirtschaftsstandort Deutschland aufmerksam machen.

 

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