16.04.2019

Bericht zum 64. ICANN-Meeting

Das 64. Meeting der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) fand vom 11. bis 14. März 2019 im japanischen Kobe statt. ICANN64 war das Community Forum des laufenden Jahres, zu dem sich 1.707 Teilnehmer trafen. Die Agenda umfasste ein breites Themenspektrum sowie eine Reihe von Cross-Community-Sessions zu aktuellen Themen. Einschließlich der Nebenveranstaltungen – wie beispielsweise dem Workshop der Universal Acceptance Steering Group (UASG) am 8. März – dauerte  ICANN64 eine ganze Woche.

 

EPDP, GDPR und WHOIS-Datenzugriff

Der Expedited Policy Development-Prozess (EPDP) zur temporären Spezifikation für generische Top-Level-Domain (gTLD) Registrierungsdaten ist derzeit einer der wichtigsten Arbeitsbereiche für die Generic Names Supporting Organization (GNSO) und die gesamte ICANN-Community. Im vergangenen Mai verabschiedete der ICANN-Vorstand die temporäre Spezifikation als vorläufige Maßnahme, um die bestehenden Verpflichtungen für die Bereitstellung des WHOIS-Dienstes an die Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO) anzupassen. Dies wiederum führte dazu, dass das GNSO Council mit der Durchführung des EPDP beauftragt wurde, um zu entscheiden, ob die Spezifikation als so genannte "Consensus Policy" bestätigt wird. Die ICANN Satzung sieht vor, dass der EPDP innerhalb von 12 Monaten – in diesem Fall bis zum 25. Mai 2019 – abgeschlossen sein muss.

Wenige Tage vor dem Meeting in Kobe veröffentlichte das EPDP-Team seinen Abschlussbericht zur erste Phase seiner Arbeit. Viele Beobachter waren skeptisch, dass das Team, in dem teilweise sehr kontroverse Positionen vertreten werden, überhaupt so weit kommen würde, einen umfassenden Bericht mit einer Länge von mehr als 180 Seiten zu erstellen. Der Bericht wurde vom GNSO Council verabschiedet und kann derzeit öffentlich kommentiert werden. Der ICANN-Vorstand plant, vor Ablauf der einjährigen Frist über den Bericht zu beraten.

Als Vertreter der Internet Service Providers & Connectivity Provider Constituency (ISPCP) nahm Thomas Rickert an allen vier EPDP-Meetings in Kobe teil und informierte verschiedene Teile der Community über den aktuellen Stand der Arbeit des Teams.

Im Rahmen der Meetings in Kobe diskutierte das EPDP-Team eine Reihe von Themen, darunter:

  • Aspekte, an denen in der zweiten Arbeitsphase gearbeitet werden soll;
  • die Arbeitsmethoden für die zweite Arbeitsphase;
  • Voraussetzungen für die Fortsetzung der Arbeit, wie die finanzielle und administrative Unterstützung für das EPDP-Team;
  • Evaluierung der Erfahrungen aus der ersten Phase der Arbeit;
  • Umsetzung der Empfehlungen aus der ersten Phase – einschließlich der Zusammenstellung eines Teams für die Implementierung und
  • ein Arbeitsplan für Phase 2.

Eine Reihe von Fragen konnte nicht geklärt werden. Aktuell wartet das EPDP-Team darauf, dass das GNSO Council einen neuen Vorsitzenden für die Arbeitsgruppe ernennt, da der bisherige Chair Kurt Pritz sein Amt nach Abschluss der ersten Phase niedergelegt hatte.

 

Internet Service Providers & Connectivity Provider Constituency (ISPCP)

Die Meetings der Commercial Constituencies innerhalb der GNSO (Generic Names Supporting Organization), zu denen auch die Internet Service Provider & Connectivity Providers (ISPCP) zählt, wurden ebenfalls weiterhin von den Diskussionen um die temporäre Spezifikation und den Expedited Policy Development Process (EPDP) bestimmt. Thomas Rickert nahm an den geschlossenen (10. März) und offenen Arbeitssitzungen (12. März) der ISPCP teil, um Updates über den aktuellen Stand der Arbeit zu geben und die Position der ISPCP hinsichtlich des EPDP-Prozesses mit den Mitgliedern abzustimmen.

Weitere Themen von Interesse für die ISPCP in Kobe waren die laufende Arbeit des GNSO Council an der ISPCP-Satzung und zu Universal Acceptance, wozu Christian Dawson und Lars Steffen einen Zwischenbericht aus dem UASG-Workshop präsentierten, der am 8. März 2019 stattfand (Weitere Details zur UASG folgen weiter unten). Die Global Commission on the Stability of Cyberspace (GCSC), vertreten durch Olaf Kolkman (ISOC) und Wolfgang Kleinwächter, stellte ihre Vorschläge für Normen und Richtlinien vor, um die internationale Sicherheit und Stabilität des Internets zu verbessern und verantwortungsbewusstes staatliches und nichtstaatliches Verhalten im Cyberspace zu fördern.

Am Mittwoch, dem 13. März, veranstaltete die ISPCP während des ICANN64 in Kobe in Zusammenarbeit mit JAIPA, der Japan Internet Providers Association, ein interaktives Outreach-Event zu den Themen Universal Acceptance, IoT & 5G und Sicherheit. Zu diesen Themen gab es folgende Podiumsdiskussionen:

  • Ensuring A Trusted Internet with Universal Acceptance and IDNs, mit Maarten Botterman (ICANN Board), Akinori Maemura (ICANN Board), und Ajay Data (Data Infosys)
  • The Internet of Things and Network Operations, mit Philippe Fouquart (Orange)
  • Website / DNS Blocking and Filtering, mit John Crain (ICANN Office of PTO), Narelle Clark (Pavonis Consulting), Toshiaki Tateishi (JAIPA), und Afifa Abbas (Banglacom)
  • Business Depends on Security, Stability and Resiliency – A Shared Responsibility, mit Claudia Selli (ICANN Business Constituency), Scott McCormick (HackerOne), und Mark Svancarek (Microsoft).

Im Zuge der Arbeit an dem EPDP nahmen die Spannungen innerhalb der Commercial Stakeholder Group (CSG) zu. Die Business Constituency (BC), die Intellectual Property Constituency (IPC) und die ISPCP bemühten sich dennoch stetig um Konsens innerhalb der CSG. Während des Meetings mit dem ICANN-Vorstand beantragte die CSG dennoch die Prüfung einer neuen Struktur für die drei Constituencies, um die stetig wiederkehrenden Hindernisse zu überwinden, die regelmäßig durch die vielen gegensätzlichen Positionen entstehen.

In den geschlossenen und öffentlichen Meetings erörterte die ISPCP Updates aus dem GNSO Council und zu den Council Chair Wahlen, die Überprüfung der ISPCP-Charta und den Bericht der Cross-Community Working Group on new gTLD Auction Proceeds.

Universal Acceptance Steering Group

Das Thema Universal Acceptance (und IDNs) fand sich überall auf der Agenda des ICANN64-Meetings. Dies lässt sich zum einen auf die Arbeit des bisherigen Vorsitzenden der UASG Ram Mohan zurückführen, zum anderen aber auch auf die Tatsache, dass Universal Acceptance inzwischen eines der fünf Ziele des ICANN-Vorstands für die Strategie der kommenden fünf Jahre ist.

Die Meeting-Woche der Universal Acceptance Steering Group begann am Freitag, dem 8. März, mit dem ganztägigen UASG-Workshop. Die Arbeitsgruppe verwendete viel Zeit auf die strategische Planung für die kommenden Jahre.

Es wurden fünf strategische Felder entwickelt, von denen jedes spezifische Ziele und Teilaufgaben umfasst, die von der Gruppe bewertet wurden:

  • Intensivierung der Kommunikation mit den identifizierten  Zielgruppen
  • Bereitstellung belastbarer Ressourcen
  • Lücken in der Arbeit und Kommunikation identifizieren und schließen
  • Mehr aktive Teilnehmer in die Arbeit der UASG einbinden
  • Verbesserung der Administration für die UASG

Die UASG einigte sich darauf, die Anzahl der Arbeitsgruppen zu erweitern und die jeweiligen Satzungen einer Überprüfung zu unterziehen beziehungsweise neu zu erstellen. Die einzelnen Gruppen sind: EAI, Measurement, Community Outreach, und Technology.

Die At-Large Community einigte sich darauf, dass es sein Netzwerk nutzen wird, um Universal Acceptance stärker zu unterstützen und zu promoten.

Am letzten Tag des Meetings in Kobe versammelte sich die ICANN-Community zur Cross-Community-Session zu Universal Acceptance und IDNs, an der Vertreter aus allen Constituencies teilnahmen:

  • Jennifer Chung – .asia / At-Large
  • Manal Ismail – NTRA / GAC
  • Maria Kolesnikova – Coordination Center for TLD .RU/.РФ / ccNSO
  • Ram Mohan – Afilias / Outgoing UASG Chair / SSAC
  • Mark Švančárek – Microsoft / UASG Vice-Chair / GNSO
  • Dennis Tan Tanaka – Verisign / UASG Vice-Chair / DC DNSI

Das Panel wurde von den beiden UASG Outreach Koordinatoren Christian Dawson und Lars Steffen moderiert.

Man war sich darüber einig, dass sich die gesamte Community um die Lösung des Problems kümmern muss. Die bisher von der UASG geleisteten Anstrengungen wurden von den Anwesenden honoriert. Am Ende der Session stand die Aufforderung an die Teilnehmer im Saal, ihre eigenen Organisationen "UA-ready" zu machen, sobald sie nach Hause zurückkehren.

Der CIO von ICANN, Ashwin Rangan, berichtete während des UASG Community Forums, dass sein Team die so genannte  Phase 1 des Projekts, alle IT-Systeme "UA-ready" zu machen, erfolgreich abgeschlossen hat. Auch die Arbeit an Phase 2 sei inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Er erläuterte auch die Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit Zulieferern, die sich der Problematik rund um Universal Acceptance bislang nicht bewusst waren. Eine neue Fallstudie zu den Bemühungen wird die IT-Abteilung von ICANN im März beginnen.

Die Wahlen für die vakanten Chair und Vice-Chair Positionen in der UASG wurden während des Treffens abgeschlossen. Die neuen Amtsinhaber sind:

  • Chair: Ajay Data
  • Vice-Chairs: Dušan Stojičević, Mark Švančárek, and Dennis Tan Tanaka

 

New Generic Top-Level Domains Auction Proceeds

Im Zuge des new gTLD-Programms wurden bei der Vergabe der neuen Endungen teilweise Auktionen durchgeführt, wenn sich mehrere Bewerber nicht untereinander einigen konnten, wem die jeweilige Top-Level-Domain zugesprochen werden sollte. Die meisten Überschneidungen von Interessen konnten jedoch stets anderweitig gelöst werden. Trotzdem war zu Beginn des Vergabeprozesses der new gTLDs recht schnell klar, dass ICANN durch eine Reihe von Auktionen erhebliche Einnahmen generieren würde. Diese Versteigerungserlöse wurden gesammelt und zurückgehalten, bis der ICANN-Vorstand einen Plan für die angemessene Verwendung der Mittel genehmigt. Von Vorstand, Mitarbeitern und der Community wird daher erwartet, dass sie gemeinsam an den Mechanismen und nächsten Schritten zur Verwendung der Auktionserlöse zusammenarbeiten. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass diese Erlöse als außergewöhnliche, einmalige Einnahmen anzusehen sind. Die Arbeitsgruppe veröffentlichte kurz vor dem ICANN63 Meeting in Barcelona den Entwurf zu ihrem ersten Bericht an die ICANN Community, in dem eine Reihe von Verwaltungs- und Vergabemechanismen vorgestellt wurden, die sowohl die Erwartungen der Arbeitsgruppe erfüllten, als auch den rechtlichen und treuhänderischen Auflagen entsprachen.

Weitere Einzelheiten zur Arbeit der Gruppe finden Sie hier beziehungsweise den neuesten Newsletter hier.

New Generic Top-Level Domain Subsequent Procedures

Die Arbeitsgruppe präsentierte einen möglichen Zeitplan, nach dem der früheste mögliche Zeitpunkt für die Einreichung von Anträgen für neue Top-Level-Domains das 1. Quartal 2022 wäre.

DENIC & eco veranstalten den Deutschen Abend

DENIC und eco nutzen auch bei diesem Meeting die Gelegenheit, ihre ICANN-Communities am Sonntag den 10. März eingeladen, um sich gemeinsam mit internationalen Freunden und Partnern zum Deutschen Abend zu treffen. Dieses Mal fand das Networking-Event im Soshuen Garden in Kobe statt.

Wo war eco für seine Mitglieder aktiv?

 

Thomas Rickert

 

Wolf-Ulrich Knoben

 

Lars Steffen

Weitere Dokumente

 

Das ICANN65 Policy Forum findet vom 24. bis zum 27. Juni 2019 in Marrakesch (Marokko) statt. Registrieren Sie sich jetzt!

Bericht zum 64. ICANN-Meeting 8