23.04.2021

Daten als Schlüssel zur vernetzten Mobilität

Daten bilden wohl den wichtigsten Rohstoff der Zukunft und sind die Voraussetzung für eine vernetzte und autonome Mobilität. Denn ohne aussagekräftige Daten und deren Verfügbarkeit ist die Vernetzung und innovativer Fortschritt im Mobilitätssektor schier unmöglich.  

Das Generieren, Nutzbar – und Verfügbarmachen von Daten birgt für die Branche enorme Vorteile, wie: 

  • die Verbesserung der Verkehrssicherheit 
  • die Steigerung der Umwelteffizienz – Stichwort: Nachhaltigkeit 
  • die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit 

Um die Digitalisierung der Mobilität voranzutreiben soll 2021 mit dem Datenraum Mobilität dafür ein Fundament geschaffen werden. 

Datenraum Mobilität 

Bereits Anfang November 2019 wurde auf dem Autogipfel beschlossen, dass bis Ende 2021 private und öffentliche Mobilitätsanbieter gemeinsam ein Datennetzwerk Mobilität schaffen. Dafür sollten sowohl Autobauer als auch Nah- und Fernverkehrsbetriebe benötigte Daten schnell zur Verfügung stellen und sich zudem auf ein Verfahren einigen.  

Das Ziel dahinter soll ein schnellerer Fortschritt bei der Digitalisierung der Mobilität sowie ein rascheres Forschen und Entwickeln im Mobilitätssektor sein. Dabei strebt die Bundesregierung für diesen Bereich eine gemeinsame Verständigung zur Datenbereitstellung der Involvierten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Verbraucherschützern an. 

Umsetzung des Datennetzwerks 

Zur Umsetzung ist die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) beauftragt eine Träger- und Betreibergesellschaft aufzubauen. Bis April 2021 will acatech den Datenraum in eine gemeinnützige GmbH überführen. An dieser sollen sich Unternehmen beteiligen und in den Datenraum investieren und der Bund stellt hierfür 18 Millionen Euro zur Verfügung.  

Das System selbst soll von einem privaten Dienstleister betrieben werden, der via Ausschreibung gesucht werden soll, um das System zum 1. Juli zu übernehmen 

Bisher aktiv beim Aufbau des Datenraums involviert waren Volkswaren, Here Technologies, der Mobilitätsanbieter Free Now, die Deutsche Bahn AG, der Deutsche Wetterdienst, die Bundesanstalt für Straßenwesen und die hessische Straßenbauverwaltung Hessen mobil. 

Bei der Umsetzung des Projekts orientieren sich alle Unternehmen, wie auch acatech an dem europäischen Cloud-Projekt GAIA-X. Das Datennetzwerk basiert somit auf einer dezentralen Lösung, sodass jeder seine Daten auf dem eigenen Server behält und selbst darüber entscheidet, welche Daten freigegeben werden und wer sie zu welchen Konditionen nutzen darf. So bliebe die Datensouveränität bei den beteiligten Unternehmen. 

Herausforderungen eines nationalen Datenraums 

Um eine nationale Plattform zu schaffen, die perspektivisch auch auf europäischer Ebene ausgeweitet werden soll, gilt es noch einige Hürden zu nehmen. Denn das Projekt wirft Fragen und Probleme auf, die es bis zum angestrebten Regelbetrieb ab Oktober 2021 zu klären gilt.  

Datensicherheit  

Der Datenraum muss als Plattform die Sicherheit der Daten gewährleisten und der Zugang zu den Daten muss datenschutzkonform gestaltet werden. Es müssen gemeinsame Regeln festgelegt werden, um vertrauenswürdige Datentransaktion zu ermöglichen 

Freiwilliger Datenaustausch 

Der Datenaustausch kann nur auf freiwilliger Basis funktionieren, dabei ist es wichtig die Datensouveränität bei den beteiligten Unternehmen zu lassen. Die Entscheidung welche Daten zu Verfügung gestellt werden, muss den Unternehmen überlassen bleiben. Allerdings problematisch dabei könnte das nicht-preisgeben von nützlichen Daten sein. Denn im Vordergrund soll der gemeinsame Austausch stehen, um die Digitalisierung der Mobilität im Autoland Deutschland voranzutreiben.  

Einheitliche Speicherformate 

Um die bereitgestellten Daten auch allen Beteiligten gleichermaßen zugänglich zu machen, sollte sich auf einheitliche Speicherformate geeinigt werden, sodass die Daten alle in gleicher Form zur Verfügung gestellt werden können und dann auch entsprechend genutzt werden können.  

Wettbewerbsneutralität 

Ein gemeinsamer Datenraum Mobilität muss wettbewerbsneutral gestaltet sein und diese Neutralität auch dauerhaft gewährleisten können. Dabei spielt vor allem die Finanzierung eine wichtige Rolle. Hier muss ein für die Beteiligten akzeptables und nachvollziehbares Modell entstehen.  

Fehlende Geschäftsmodelle 

Aktuell ist noch nicht klar, welche Geschäftsmodelle mit den Daten realisiert werden oder neu entstehen können. Zwar stehen bisher einige Ideen im Raum, wie z. B. Audis Plan Gefahreninformationen im Straßenverkehr direkt aus den Autos heraus anzubieten oder auch Daimlers Idee über das Netzwerk, Daten zum Straßenzustand weiterzuleiten. Aber konkret wollte sich bisher keiner der Akteure äußern. Ohne konkretisierte Ansätze und Anwendungsmöglichkeiten könnte mit dem Datenraum Mobilität eine Menge brachliegender Daten entstehen.  

Ausblick 

Wenn die geplante Umsetzung des Projekts entsprechend der Ziele die Überführung in die Praxis findet, kann hier ein großer Schritt in Richtung Digitalisierung der Mobilität gemacht werden, sodass Deutschland nicht den Anschluss verliert. Denn indem Daten verschiedener Mobilitätsanbieter, Zulieferer, Automobilhersteller und weiteren branchenrelevanten Unternehmen verfügbar und miteinander verknüpft werden, erschließen sich einige Vorteile und Perspektiven für die Mobilität der Zukunft.  

Denn ein sinnvoller Datenaustausch ermöglicht beispielsweise ein besseres Arbeiten von Verkehrsmanagementsystem, eine Optimierung von Transport und Logistik oder bessere Möglichkeiten von individueller Mobilität, durch ein sinnvolles Zusammenspiel verschiedener Mobilitätsangebote.  

Arndt G. Kirchhoff: Automobilbranche setzt auf GAIA-X