31.07.2018

„Die Analogie zum Smartphone ist durchaus zulässig.“

Obwohl die Smart-City-Studie von eco und ADL ein großes Potenzial sieht, hinkt Deutschland im europäischen Vergleich beim Smart-Meter-Ausbau hinterher. Marktbeobachter sehen hierzulande vor allem bisher fehlende Zertifizierungserfolge seitens des BSI als Hindernis. Marion Schulte, Partnerin und Leiterin des Bereichs Energiewirtschaft bei BearingPoint, erläutert im Interview diese und weitere Herausforderungen.

Frau Schulte, Smart Meter konnten sich bisher noch nicht flächendeckend durchsetzen. Ist das Thema Datenschutz aus Ihrer Sicht derzeit der einzige Hemmschuh?

Die generelle Auseinandersetzung mit dem Thema Datenschutz in Deutschland ist leider auch sehr stark in die Thematik des Smart Meters eingeflossen. Kommend aus dem Grundgedanken der kritischen Infrastruktur sind Zähler somit sehr früh mit hohen Sicherheitsauflagen belegt worden. Diese zu beschreiben hat einerseits sehr viel Zeit in Anspruch genommen, diese dann umzusetzen und in die Warteschlange der zu zertifizierenden Inhalte aufgenommen zu werden den Rest.

Wenn wir analog nach UK schauen, ist auch dort der Prozess der Zertifizierung sehr schleppend gewesen, da auch dort nicht ein fertiges Produkt zertifiziert werden konnte, sondern es durch die hohen Softwarekomponenten ein dauernder Wechselprozess zwischen Anforderung, Zertifizierung und Nachbesserung gab.

Ob die grundsätzliche Behandlung von Zählerdaten mit diesen hohen und dadurch auch schnell veralteten Standards sinnvoll ist, ist sicherlich ein Thema, welches in den nächsten Jahren immer wieder auf den Prüfstand muss.

Als nächster Schritt müssen dann ja die Nutzer überzeugt werden. Was sind für Sie die besten Argumente pro Smart Meter?

Auch wenn es aktuell noch wenig Angebot für Smart-Meter-Nutzung gibt, ist die Analogie zum Smartphone durchaus zulässig. Erst der Roll-out von Smartphones hat das Push-Pull-Prinzip ins Leben gerufen – je mehr Nutzer, desto mehr Angebot.

Die Flexibilisierung von Tarifen, die Steuerung von immer komplexeren Energielösungen (PV, Batterie, Wallbox) und ähnliche Dienstleistungen werden allerdings stark von der Nutzung der Smart-Meter-Daten abhängen.

Insofern wird der Markt die Frage beantworten, ob der Nutzer bei Mehrwert nicht bereitwillig die hochschützenswerten Daten des Smart Meters freiwillig zur Verfügung stellt.

Welche Bedeutung wird Smart Metering Ihrer Meinung nach bei Smart Homes haben?

Smart Homes – im Sinne der Automatisierung und Digitalisierung meiner häuslichen Geräte – werde ich sicherlich auch ohne den Smart Meter nutzen können. Hier sind ja eigentlich die proprietären Systeme der Hersteller eher der Hemmschuh als die Technologie. Wer will schon Heizung, Fenster, Rollläden und Ähnliches getrennt voneinander steuern?
Aber wie auch oben beschrieben wird der Smart Meter uns in die Lage versetzen, weitere Services rund um das Energie- und Hausmanagement anzubieten.

Marion Schulte spricht bei der eco Akademie am 22. August zum Thema „Smart Energy, Smart Grids: Nicht ohne mein Smart Meter?

Foto: Anja Paap, Hamburg