Köln 07.04.2020

Digitale Souveränität – durch Offenheit aus der Abhängigkeit!

Wie stärken Offenheit und Standardisierungen die Digitale Souveränität? Holger Dyroff ist Vorstand der OSB (Open Source Business) Alliance – Bundesverband für Digitale Souveränität e. V. und Geschäftsführer ownCloud GmbH. Im Interview erläutert er Wege aus der digitalen Abhängigkeit.

Herr Dyroff, was verstehen Sie unter dem Begriff „Digitale Souveränität“?
Der Begriff steht für digitale Angebote ohne Abhängigkeiten. Das heißt zum einen, dass ich als Käufer und Nutzer meine Daten innerhalb des Angebotes kontrollieren kann. Zum anderen habe ich auch die Möglichkeit, das Angebot selbst jederzeit auf den Prüfstand zu stellen. Wenn ich möchte, dann kann ich meine Anwendungen jederzeit an anderer Stelle weiter betreiben, beispielsweise in Zusammenarbeit mit einem anderen Anbieter. Dies benötigt quelloffene Lösungen und offene Standards.

Wo sehen Sie aktuell die größten Abhängigkeiten, die Digitale Souveränität überwinden könnte?
Abhängigkeiten sind wir überall dort, wo nicht mit offenen Standards gearbeitet wird. Die Geschäftsmodelle der Digital Giants sind auf Abhängigkeiten ausgelegt. Dies fängt bei Betriebssystemen an und geht über Applikationen bis hinein in alle Bereiche der IT. Generell sind bei Public Clouds die Abhängigkeiten höher als im eigenen Rechenzentrum.

Mit welchen Maßnahmen und Angeboten lässt sich eine Digitale Souveränität erreichen?
Offene Standards und Interoperabilität sind der Schlüssel. Dem widerspricht etwa der US-Cloud-Act. Der verpflichtet die US-amerikanischen Anbieter zur Herausgabe von Daten an US-Behörden. Dabei ist es egal, in welchem Land die Daten gespeichert sind. Jeder kann darauf achten, keine Dienste zu nutzen, die Daten und Dokumente im Geltungsbereich des US-Cloud-Acts ablegen. Europäische Anbieter sollten hingegen ganz gezielt in Angebote investieren und Alternativen mit hoher Digitaler Souveränität zu schaffen. Statt Bequemlichkeit sind Eigeninitiative und Kreativität gefragt, um die Abhängigkeiten zu verringern.

Welche Formen der Unterstützung wünschen Sie sich dafür aus Wirtschaft und Politik?
Ich wünsche mir eine stärkere Förderung offener Lösungen und Communities und eine bessere Regulierung nicht datenschutzkonformer Angebote. Dazu zählt auch eine deutlich klarere Positionierung gegen den US-Cloud-Act. Verantwortliche sollten außerdem bei der Beschaffungsplanung auf Produkte und Services mit hoher Digitaler Souveränität setzen, damit die Wünsche nach mehr Digitaler Souveränität nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben. GAIA-X ist eine vielversprechende deutsche und europäische Idee. Damit die damit einhergehende Digitale Souveränität wahr wird, gilt es nun diese Ideen mit Leben zu füllen.

Herr Dryoff, vielen Dank für das Interview!

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