Mit dem rasanten Wachstum datenintensiver Anwendungen steigen auch die Anforderungen an leistungsfähige Netzinfrastrukturen. Von latenzkritischen High-End-Anwendungen über neue Glasfasertypen bis hin zu den wachsenden Ansprüchen von Rechenzentrumsbetreibern: die technologische Entwicklung schreitet schnell voran. Wolfram Rinner, Geschäftsführer von GasLINE, gibt Einblicke in aktuelle Trends, Innovationspotenziale und die langfristige Perspektive moderner Glasfasernetze. Er wird als Speaker bei den fiberdays 26 auf der eco Datacenter Plaza im Panel „Zukunftsvisionen 2030 – Netze als Rückgrat der Digitalisierung“ sprechen.
Glasfasernetze gelten als langfristige Infrastrukturinvestition. Welche Anforderungen müssen sie erfüllen, um auch in zehn oder zwanzig Jahren noch tragfähig zu sein?
Glasfasernetze müssen vor allem skalierbar, hochverfügbar und sicher ausgelegt sein. Zukunftssichere Netze zeichnen sich durch redundante Trassenführungen, den direkten Anschluss an zentrale digitale Knotenpunkte sowie durch ein Design aus, das deutlich über heutige Bandbreitenbedürfnisse hinausgeht. Entscheidend ist zudem ein nachhaltiger Ausbau, der technologische Weiterentwicklungen – etwa neue Übertragungsverfahren oder steigende Anforderungen durch Cloud-, KI- und Edge-Anwendungen – langfristig unterstützt. Dies entspricht auch unserem Anspruch, eine leistungsstarke, unabhängige und ISO-zertifizierte Glasfaserinfrastruktur als Grundlage der digitalen Gesellschaft zu betreiben.
Für High-End-Anwendungen mit kurzer Latenzzeit und langen Distanzen werden immer öfter sogenannte „Hollow Core Fiber“ eingesetzt. Wo liegen die Einsatzbereiche und Vorteile dieses Glasfaser-Typs?
Hollow-Core-Fasern ermöglichen extrem geringe Latenzen, da sich das Licht überwiegend in einem luftgefüllten Kern ausbreitet. Sie kommen besonders dort zum Einsatz, wo jede Millisekunde zählt: in Finanzmarktanwendungen, für präzise Zeit- und Taktverteilung, im High-Performance-Computing sowie in der Verbindung von Rechenzentren über längere Strecken. Ihr größter Vorteil ist die Kombination aus deutlich reduzierter Signallaufzeit und hoher Stabilität – ein wichtiger Baustein für kommende Generationen zeitkritischer digitaler Anwendungen.
Mit der zunehmenden Bedeutung von Rechenzentren als digitale Knotenpunkte verändern sich auch die Anforderungen an Glasfasertrassen. Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell im Austausch mit Datacenterbetreibern, und welche Erwartungen richten sich dabei an Infrastrukturbetreiber?
Rechenzentren benötigen heute vor allem hochredundante, divers geführte, latenzoptimierte und skalierbare Glasfaseranbindungen. Betreiber erwarten vollständige Transparenz über Trassenverläufe, kurze Bereitstellungszeiten, klare SLAs sowie die Möglichkeit, Kapazitäten flexibel zu erweitern. Parallel steigt der Bedarf an Dark-Fiber-Lösungen, die maximale Kontrolle und Sicherheit bieten.
Kritische Infrastrukturen stehen zunehmend im öffentlichen Fokus. Welche Erwartungen nehmen Sie an Betreiber und Infrastrukturanbieter wahr?
Anbieter werden heute stärker denn je an ihrer Resilienz, Transparenz und Sicherheitsarchitektur gemessen. Gleichzeitig zeigt sich in aktuellen politischen Diskussionen und Branchenstatements, dass die Regulierung deutlich komplexer wird – etwa durch Vorgaben wie das KRITIS-Dachgesetz und die Verzahnung mit NIS2. Betreiber kritischer Netze sollen sensible Daten schützen, Redundanzen schaffen, aber zugleich genügend Informationen für Behörden und Genehmigungsprozesse bereitstellen – ein Spannungsfeld, das noch nicht vollständig aufgelöst ist, wie jüngste Einschätzungen u. a. aus dem eco-Umfeld zeigen.
Welche Rolle werden Netze aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren als Rückgrat der Digitalisierung einnehmen?
Hochleistungsnetze bilden das zentrale Fundament nahezu aller digitalen Entwicklungen – von KI-gestützten Anwendungen über Cloud und Industrie 4.0 bis hin zu autonomen Mobilitäts- und Energiesystemen. Glasfaser wird dabei zur unverzichtbaren Basistechnologie: Sie ermöglicht unbegrenzte Skalierbarkeit, niedrige Latenzen und höchste Sicherheit. Netzbetreiber, die heute in robuste Strukturen, Redundanz und innovative Technologien investieren, schaffen die Grundlage für eine digitale Wirtschaft, die auch in Zukunft stabil, souverän und wettbewerbsfähig bleibt.


