24.08.2022

Fachkräfte finden 2022: eco Verband gibt 7 Tipps

  • Checkpunkte zeigen, wie gut Unternehmen fürs Recruiting wertvoller Fachkräfte aufgestellt sind
  • Energiekrise wird Mangel an IT-Fachkräften voraussichtlich verschärfen
  • Vertrauen, Offenheit und Selbstverantwortung bilden die Grundlage für ein positives Employer Branding
  • Recruiting-Vorteil haben Unternehmen, die ein sinnstiftendes Arbeitsumfeld schaffen

Deutschland ächzt unter einem Mangel an Fachkräften, ob im Handwerk, Gastronomie oder im Zug- und Flugverkehr. Besonders betroffen sind IT und technische Berufe. Hier tobt ein weltweiter Wettstreit um die besten Köpfe. Rund 51.970 offene Stellen für Informatikberufe gab es laut Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im ersten Quartal 2022 in Deutschland. Nicht zuletzt die aktuelle Energiekrise lässt die Zahlen steigen, ermittelt der VDI-/IW-Ingenieurmonitor1. So erwarten für die kommenden fünf Jahre 32 Prozent aller Unternehmen und sogar 63 Prozent aller Unternehmen ab 250 Beschäftigten einen steigenden Bedarf an IT-Expert:innen speziell zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte.

IT-Unternehmen suchen daher nach Strategien, Fachkräfte für sich zu begeistern. Entsprechende New-Work-Konzepte sind seit der Corona-Pandemie auch im Mittelstand angekommen. Mobiles Arbeiten und flexible Arbeitszeiten sehen viele Beschäftigte als selbstverständlich an. „In der Pandemie haben viele Unternehmen begonnen, vorhandene New-Work-Konzepte weiter zu denken“, sagt Lucia Falkenberg, CPO und Sprecherin der Kompetenzgruppe New Work im eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. „Immer mehr Mitarbeiter:innen arbeiten zeitweise aus dem Ausland oder gar nur noch 4-Tage die Woche. Entsprechende Arbeitskonzepte setzen sich bei großen Internetkonzernen durch. Der Trend geht zu Work-Life Blending, das heißt Berufliches und Privates stärker zu vermischen. So wird auch nach Feierabend in die Mails geschaut oder mit den Kolleginnen ein geselliger Abend verbracht.“

Voraussetzung dafür ist eine Unternehmenskultur, die auf Vertrauen fußt und in dem Führungskräfte Teammitgliedern entsprechende Freiräume lassen. Diese Eigenverantwortung sorgt dafür, dass die Menschen gerne für ihr Unternehmen arbeiten, erst recht, wenn sie darin einen tieferen Sinn finden. In den Mittelpunkt rückt der englische Begriff „Purpose“ und die Frage „Wofür arbeite ich und wozu leiste ich meinen Beitrag?“

Ist Ihr Unternehmen hier auf einem guten Weg? Lucia Falkenberg nennt 7 Checkpunkte, anhand derer Unternehmen prüfen können, ob sie fürs Recruiting wertvoller Fachkräfte gut aufgestellt sind.

  1. Unterstützen Sie Ihre Fachkräfte mit maximaler Flexibilität und Raum für Kreativität und Selbstorganisation. Helfen Sie Ihren Mitarbeiter:innen dabei, Arbeitszeit und Ort freier zu gestalten. Statten Sie diese dafür technisch so aus, dass diese sicher Remote arbeiten und an Meetings teilnehmen können. Mitarbeitende erwarten die technische Ausstattung und die Freiheit, sich innerhalb eines Teams autonom und flexibel selbst zu organisieren.
  2. Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitenden. „Statt auf hierarchische Führung sollten Führungskräfte auf Vertrauen und Verständigung bauen“, sagt Ursula Vranken; Gründerin und Geschäftsführerin des IPA Instituts. Sie empfiehlt Digital Leadern nicht nur auf Führung von oben, sondern auch von der Seite zu setzen, auch laterale Führung genannt. „Geführt wird dabei auf gleicher Hierarchie-Ebene, Peer-to-Peer oder gar Hierarchie übergreifend, ohne dass man sich auf disziplinarische Weisungsbefugnis berufen kann. Wer nicht befehlen kann, braucht Akzeptanz. Akzeptanz entsteht durch Authentizität und exzellente Kommunikation.“
  3. Setzen Sie auf diverse und gemischte Teams, denn die sind nachweislich erfolgreicher. Dafür brauchen Sie eine offene Unternehmenskultur, die die Vielfalt und Unterschiede in der Belegschaft fördert – etwa hinsichtlich Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung und sexueller Orientierung. Rekrutieren Sie über den eigenen Tellerrand hinaus und sprechen Sie beispielsweise Quereinsteiger an oder Fachkräfte in anderen Städten oder sogar im Ausland. Beim Remote-Hiring ist der Arbeitsmarkt die ganze Welt.
  4. Holen Sie Ihre weiblichen Fach- und Führungskräfte in die erste Reihe, um aktiv um weibliche Fachkräfte zu werben. Nur ein Viertel der IT- und Tech-Fachkräfte weltweit sind Frauen, in Europa fällt der Frauenanteil mit 18,5 Prozent noch geringer aus.2 Eine von Diversität geprägte Unternehmenskultur und Maßnahmen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern, helfen Ihnen. Weitere Tipps gibt ein Whitepaper der eco Initiative Ladies in Tech (LiT).
  5. Kommunizieren Sie authentisch. Nur wer echt wirkt kann andere mitreißen. Vermitteln Sie nur Werte, zu denen Sie auch wirklich stehen. Bewerber:innen merken es, wenn Ihre Worte nicht im Einklang mit Ihren Werten und Zielen stehen. Seien Sie offen und vermitteln Sie ein authentisches Bild von sich und Ihrem Unternehmen. Gestalten Sie auch Ihr Employer Branding authentisch und vermeiden Sie nichtssagende Phrasen. Vermitteln Sie Bewerber:innen stattdessen ein klares und unverfälschtes Bild davon, wie Ihr Unternehmen tickt.
  6. Bieten Sie moderne, offene Workspaces. Wer nicht zuhause, sondern im Büro arbeiten möchte, sollte die Chance dazu haben. Schaffen Sie Shared-Desk Büros, Meeting-Räume und Bereiche für konzentrierte Stillarbeit. Auch Räume mit Möglichkeiten für persönliche Gespräche und Networking sind wichtig, um den Teamzusammenhalt und die Identifikation mit dem Arbeitgeber zu stärken.
  7. Qualifizieren Sie Ihre Mitarbeitenden fortlaufend. Die Arbeitswelt ist im Wandel, das erfordert stetige Weiterbildungen. Internes Know-how kann über Mentoring-Programme oder betriebsinterne Inhouse-Schulungen weitergegeben werden. Ergänzen Sie das durch externes Know-how in Form von Trainings und Schulungen. Investitionen in die Fortbildung der Belegschaft zahlen sich aus und machen Mit-Arbeitende fit für die Zukunft.

1 VDI-/IW-Ingenieurmonitor 1. Quartal 2022

2 Eurostat, 2021, US Bureau of Labor Statistics, 2021

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