Strategisches Thema „Akzeptanz“ im eco-Verband

Technischer Fortschritt und Akzeptanz

Jeder technische Fortschritt – nicht nur in der Internetwirtschaft – bringt notwendigerweise die Frage nach der Akzeptanz der entwickelten Technologien, Systeme und Verfahren mit sich. Ohne eine Akzeptanz der angebotenen Produkte und Dienstleistungen läuft der technische Fortschritt ins Leere und kann keinen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzen erbringen.

Aus einer gewissen Perspektive liest sich die bisherige Geschichte des eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. (https://www.eco.de/ueber-eco/historie/) wie eine Geschichte der konsequenten Förderung der gesellschaftlichen und ökonomischen Akzeptanz der Internet-basierten Technologien und Verfahren.

Aktive und passive Akzeptanz

Unter einer aktiven Akzeptanz versteht man einen Erwerb und Nutzung eines bestimmten Produkts oder Dienstleistung, aufgrund einer positiven Grundhaltung.  Die aktive Akzeptanz bedeutet auch die Bereitschaft, die entsprechenden Preise zu zahlen und die weiteren Aufwände und Kosten zu tragen.

Die passive Akzeptanz bedeutet kein aktives Handeln, sondern die tolerante Duldung der aktiven Akzeptanz durch Dritte.  Die passive Akzeptanz verlangt zum Teil eine entsprechende Entschädigung für die Duldung.  In der gesellschaftlich-politischen Debatte hat die passive Akzeptanz in der Regel einen höheren Stellenwert als die aktive Akzeptanz; sie bedeutet, dass am eigentlichen Geschäft unbeteiligte Dritte, wie Regierung und Verwaltung, Verbände, Verbraucherschützer, die Benutzung von Systemen tolerieren.

Drei Akzeptanzfaktoren: Nutzwert, Vertrauen, Ethik

Die – aktive wie passive – Akzeptanz stützt sich auf drei Faktorencluster:

  1. Den Nutzwert der Ware oder Dienstleistung. Dies sind die technische Funktionalität, die statistisch messbare Zuverlässigkeit und Sicherheit, aber auch Aspekte des Vergnügens oder Unterhaltungswertes der Ware oder Dienstleistung.  Zum Nutzwert zählt wesentlich der Preis der Ware, der in eine Relation zur wirtschaftlichen Rendite oder sonstigem Nutzwert gesetzt wird.
  2. Das Vertrauen in die Anbieter einer Ware oder Dienstleistung. Vertrauen reduziert die Komplexität des sozio-ökonomischen Kontextes und kann Unsicherheiten bezüglich des Nutzwerts der Ware ausgleichen.  Vertrauen ist keine technische, sondern psycho-soziale Komponente.  Vertrauen in Anbieter wird im sozialen Kontext insbesondere durch bewährte Mechanismen der Kommunikation erworben.
  3. Die ethische Komponente. Der Erwerb und Gebrauch einer Ware oder die Inanspruchnahme einer Dienstleistung muss als eine gesellschaftlich-ethisch „vertretbare“ – gute und richtige – Handlung erscheinen.  Einer Akzeptanz hinderlich sind etwa Produkte, die gesundheits- oder umweltschädlich sind, oder gegen soziale Gepflogenheiten verstoßen, wie etwa der Humanisierung der Arbeit, dem Verbot von Kinderarbeit, und dergleichen mehr.  Probleme mit der passiven Akzeptanz resultieren oft aus einer gesellschaftlich-ethischen Ablehnung.

 

Die drei Faktoren bilden ein die Gesamtakzeptanz stabilisierenden „Tripod“ – fallen einer oder zwei der Faktoren aus, gerät die Gesamtakzeptanz in Schieflage.  Insbesondere kann die Akzeptanz von Systemen und Dienstleistungen höchster technischer Qualität durch mangelnde gesellschaftlich-ethische Akzeptanz leiden, gar völlig unterminiert werden.  Auch mangelndes Vertrauen in die Anbieter von Produkten schädigt die Akzeptanz des – technisch ansonsten einwandfreien – Angebots.

Bisherige Arbeiten zur Akzeptanz und künftiger Handlungsrahmen

Der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. hat bereits Erfahrungen mit Arbeiten zur Akzeptanz von Informationstechnologie und anderen Systemen und Verfahren vorzuweisen. Der mit Akzeptanzstudien zum Cloud-Computing, zum E-Invoicing, der Blockchain-Technik, etc., verbundene Wissenserwerb und Wissenstransfer hat unternehmerisch relevante Fragestellungen im Bereich des Vorwettbewerbs aufgegriffen.  Im Rahmen dieser Arbeiten hat sich Instrumentarium herausgebildet (Synoptische Modelle, Experteninterviews, Case-based Evidence, etc.), das weiter etabliert werden kann.

Es sollte systematisch ermittelt werden, welche Akzeptanz-Aspekte der eco-Verband im Vorwettbewerb für die Marktentwicklung der Internetwirtschaft aufgreifen kann.  Dazu sind Querschnittsthemen der Kompetenzgruppen zu zählen, aber auch Technologie- und Themenfelder zu zählen, wie Fragen der Akzeptanz beruflicher Weiterbildung, des Vertrauens in die Internetwirtschaft und Fragen der gesellschaftlich-ethischen Akzeptanz der Produkte.  Die Förderung der Akzeptanz der Internetwirtschaft sollte vor der bundesdeutschen und europäischen Projektförderkulisse positioniert werden.

Handlungslinien zur Verbesserung der Akzeptanz sollten in entsprechenden Arbeitspapieren dokumentiert und in der Pressearbeit aktiv aufgegriffen werden.

Georg Rainer Hofmann // 17. Okt. 2019