Unternehmen müssen ihre IT-Infrastruktur heute unter mehreren Gesichtspunkten bewerten. Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und regulatorische Anforderungen spielen ebenso eine Rolle wie technologische Flexibilität. Gleichzeit fehlen vielerorts die Ressourcen, um komplexe Plattformen dauerhaft selbst zu betreiben. Im Interview erklärt plusserver Chief Commercial Officer Peter Höhn, welche Möglichkeiten Open-Source-basierte Virtualisierung sowie Managed Private Clouds bieten und worauf Unternehmen bei ihrer Infrastrukturstrategie achten sollten. Er wird beim Auftakt der diesjährigen eco Data Center Roadshow am 24. September 2026 in Köln als Experte vor Ort sein.
Viele Unternehmen stellen ihre bestehende Virtualisierungsstrategie gerade grundsätzlich infrage. Was hat sich verändert?
Wir sehen, dass Unternehmen heute sehr viel genauer hinschauen, welche Abhängigkeiten sie sich mit ihrer IT-Infrastruktur schaffen, sei es technologisch oder wirtschaftlich. Gerade bei geschäftskritischen Anwendungen sind überraschende Kostenentwicklungen oder stark eingeschränkte Wahlmöglichkeiten schlichtweg ein Risiko. Deshalb rücken offene Technologien und alternative Betriebsmodelle stärker in den Fokus. Entscheidend ist aber: Eine Alternative muss im Unternehmensalltag genauso zuverlässig funktionieren wie die etablierte Lösung.
Welche Rolle können Managed Private Cloud-Ansätze auf Open-Source-Basis dabei spielen und für welche Unternehmen sind sie besonders interessant?
Vor allem für Unternehmen, die sensible oder geschäftskritische Workloads betreiben und dabei die Kontrolle über ihre Infrastruktur behalten wollen. Das können ERP- und CRM-Systeme sein, Datenbanken oder individuelle Fachanwendungen, die nicht ohne Weiteres in eine klassische Public Cloud passen. Gleichzeitig möchten viele IT-Teams nicht selbst eine komplette Virtualisierungsplattform betreiben und hierfür zusätzliche Ressourcen aufbauen. Managed-Modelle können hier dedizierte Infrastruktur mit einem offenen Technologie-Stack verbinden und Unternehmen gleichzeitig beim laufenden Betrieb entlasten. Ein Beispiel dafür ist unsere Managed Private Cloud auf Proxmox-Basis, die genau diesen Ansatz verfolgt.
Open Source klingt nach mehr Unabhängigkeit. Für manchen IT-Verantwortlichen aber auch nach mehr Eigenaufwand. Wie lässt sich dieser Widerspruch auflösen?
Genau das ist für uns der entscheidende Punkt: Technologische Offenheit darf nicht bedeuten, dass Unternehmen anschließend mit zusätzlicher Komplexität allein gelassen werden. Ein Managed-Ansatz kann operative Aufgaben wie Setup und Monitoring, Netzwerk und Updates sowie Lifecycle-Management und Störungsbehebung abdecken. Das Unternehmen profitiert also von einem Open-Source-basierten Virtualisierungs-Stack, ohne daraus ein neues internes Infrastrukturprojekt machen zu müssen. Technologische Offenheit und Managed Services schließen sich aus unserer Sicht nicht aus, sondern können sich sinnvoll ergänzen.
Neben technologischer Offenheit spielt die Kostenseite eine große Rolle. Was sollten Unternehmen mit Blick auf Planbarkeit berücksichtigen?
IT-Entscheider:innen müssen heute nicht nur leistungsfähige Infrastrukturen bereitstellen, sondern deren Kosten auch verlässlich kalkulieren können. Klar definierte Konfigurationen und transparente Kostenmodelle können dabei helfen, laufende Aufwände frühzeitig einzuschätzen. Auch Faktoren wie der Datentransfer sollten in die Betrachtung einbezogen werden. Das reduziert Überraschungen bei schwankender Nutzung und schafft eine belastbare Grundlage für die Budgetplanung. Gerade bei dauerhaft betriebenen Business-Anwendungen ist diese Berechenbarkeit ein wichtiger Faktor.
Welche Rolle können Managed Private Clouds in einer langfristigen Cloud-Strategie spielen?
Für uns gibt es nicht die eine Infrastruktur, die für jeden Workload gleichermaßen geeignet ist. Unternehmen brauchen vielmehr die Möglichkeit, je nach Anwendung, Daten und Anforderungen das passende Betriebsmodell zu wählen. Managed Private Clouds auf Open-Source-Basis können deshalb ein Baustein innerhalb einer offenen Cloud-Strategie sein und sich mit Public-Cloud- und weiteren Private-Cloud-Szenarien kombinieren lassen. Auch unsere Managed Private Cloud auf Proxmox-Basis verstehen wir in diesem Sinne als einen möglichen Baustein innerhalb einer hybriden oder offenen Cloud-Architektur. Entscheidend ist am Ende, dass Unternehmen ihre Architektur nach ihren eigenen Anforderungen gestalten können.


