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10.07.2026

Die Infrastruktur hinter der Intelligenz: IT- und Cloud-Landschaften im Wandel

Cloud-Transformation bedeutet heute weit mehr als die Verlagerung von Anwendungen und Daten in neue Infrastrukturen. Unternehmen müssen technologische Innovationen, steigende Sicherheitsanforderungen und regulatorische Vorgaben von Beginn an zusammendenken. Gleichzeitig entwickelt sich Künstliche Intelligenz zunehmend vom Zukunftsversprechen zum praktischen Werkzeug im Unternehmensalltag.

Im Mitgliederinterview spricht Dr. Marc Wilczek, CEO von plusserver, darüber, welche Herausforderungen bei der Modernisierung von IT- und Cloud-Landschaften derzeit besonders häufig auftreten, welche Entwicklungen den Cloud-Markt stärker verändern als vielfach erwartet und welche KI-Anwendungen sich bereits in der Praxis bewähren. Zudem geht es um die Frage, wie Regulierung und IT-Sicherheit die Planung und den Betrieb moderner Cloud-Infrastrukturen prägen.

 

plusserver begleitet Unternehmen bei der Modernisierung ihrer IT- und Cloud-Landschaften. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen dabei derzeit besonders häufig und wie adressieren Sie diese?

Unsere Kunden beschäftigen derzeit vor allem zwei Themen: Zum einen die Modernisierung ihrer IT-Landschaft, ohne dabei die digitale Souveränität aufzugeben, und zum anderen der sichere und rechtskonforme Einsatz von KI-Lösungen.

Als Anbieter mit Hauptsitz, Betriebsteam und Rechenzentren ausschließlich in Deutschland unterstützen wir Unternehmen dabei mit souveränen Cloud- und KI-Infrastrukturen sowie umfassender Beratung entlang der gesamten Transformation. Das reicht von der Migration über die Einhaltung regulatorischer Anforderungen bis hin zum sicheren Betrieb der Lösungen.

Die Cloud-Branche steht unter dem Einfluss technologischer und wirtschaftlicher Veränderungen. Welcher Trend verändert den Markt aus Ihrer Sicht aktuell stärker, als viele erwarten?

Ich würde das weniger als Trend bezeichnen, sondern vielmehr als einen grundlegenden Bewusstseinswandel: Unternehmen erkennen zunehmend, wie stark sie von außereuropäischen Cloud- und KI-Anbietern abhängig sind. Das betrifft nicht nur proprietäre Technologien, sondern auch die Verfügbarkeit zentraler Dienste und Modelle, deren Nutzung sich kurzfristig ändern oder regional eingeschränkt werden kann.

Deshalb gewinnt digitale Souveränität deutlich an Bedeutung. Viele Unternehmen prüfen heute bewusst Alternativen, um kritische Anwendungen und Daten wieder stärker unter eigener Kontrolle zu halten und regulatorische sowie geopolitische Risiken zu reduzieren.

Dafür braucht es allerdings auch den Mut, diesen Weg konsequent zu verfolgen. In Europa wird zwar viel über digitale Souveränität gesprochen, in der Praxis dominieren jedoch nach wie vor die großen Hyperscaler. Wenn Europa technologisch unabhängiger werden will, müssen auf die Diskussionen deutlich häufiger konkrete Entscheidungen und Investitionen folgen.

Künstliche Intelligenz wird zunehmend vom Zukunftsthema zur praktischen Anwendung. Welche KI-Anwendungsfälle haben sich aus Ihrer Sicht bereits als besonders praxistauglich erwiesen?

Besonders praxistauglich sind heute KI-Anwendungen zur Automatisierung wiederkehrender Geschäftsprozesse. KI-Agenten unterstützen beispielsweise im Kundenservice, bei der Dokumentenverarbeitung, der Wissenssuche oder der Softwareentwicklung und entlasten Mitarbeitende spürbar im Arbeitsalltag.

Wichtig ist dabei aus unserer Sicht ein pragmatischer Ansatz: Unternehmen sollten nicht darauf warten, die perfekte KI-Strategie entwickelt zu haben, sondern mit konkreten Anwendungsfällen starten, erste MVPs umsetzen, Erfahrungen sammeln und erfolgreiche Lösungen anschließend schrittweise skalieren.

Gleichzeitig verändert KI auch die Bedrohungslage. Cyberkriminelle nutzen KI-Agenten zunehmend, um Angriffe effizienter vorzubereiten oder Schwachstellen schneller zu identifizieren. Deshalb setzen wir gemeinsam mit unseren Partnern auf KI-gestützte Sicherheitslösungen, die Angriffe frühzeitig erkennen und automatisiert darauf reagieren können.

Viele Unternehmen müssen heute regulatorische Anforderungen bereits früh in ihre Cloud-Strategie einbeziehen. Wie verändert das die Planung und Umsetzung von IT-Projekten?

Die regulatorischen Anforderungen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und werden weiter an Bedeutung gewinnen. Gründe dafür sind unter anderem steigende Abhängigkeiten von digitalen Infrastrukturen, komplexere Lieferketten sowie die wachsende Bedeutung der Verfügbarkeit und Integrität von IT-Diensten für den Geschäftserfolg. So sind beispielsweise bereits heute rund 30.000 Unternehmen in Deutschland von den Anforderungen der NIS-2-Richtlinie betroffen.

Security by Design und Compliance by Design werden deshalb zunehmend zum Standard. Unternehmen müssen bereits zu Beginn eines Projekts festlegen, welche Daten wo verarbeitet werden dürfen, wie Identitäten und Zugriffe verwaltet werden und welche Sicherheits- und Compliance-Anforderungen kontinuierlich überwacht werden müssen.

Dadurch verschieben sich viele Entscheidungen an den Anfang eines Projekts. Umso wichtiger ist es, frühzeitig gemeinsam mit einem erfahrenen Cloud-Partner die passende Architektur und die richtigen Betriebsmodelle festzulegen.

Welche IT-Sicherheitsanforderungen beschäftigen Unternehmen derzeit besonders und wie verändert sich dadurch der Betrieb moderner Cloud-Infrastrukturen?

KI prägt die IT-Sicherheit derzeit in zweifacher Hinsicht. Einerseits stellt sich die Frage, wie Unternehmen KI sicher einsetzen können, ohne sensible Daten oder geistiges Eigentum zu gefährden. Andererseits nutzen Angreifer KI zunehmend, um Cyberangriffe schneller und gezielter durchzuführen.

Für den sicheren Betrieb moderner Cloud-Infrastrukturen bedeutet dies, dass Unternehmen leistungsfähige Sicherheitsmechanismen, kontinuierliches Monitoring und zunehmend KI-gestützte Erkennungs- und Abwehrsysteme benötigen. Souveräne Cloud-Angebote schaffen dabei zusätzlich die Grundlage, sensible Daten kontrolliert und regulatorisch konform zu verarbeiten.

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