24.09.2019

KI und IoT machen Service intelligenter

Wartungsprozesse digitalisieren, Anlagen verfügbar halten und internes Servicewissen extern vermarkten – all das macht Service-Meister mit künstlicher Intelligenz (KI) im Mittelstand möglich. Am 1. Januar 2020 geht das Projekt für drei Jahre an den Start.

Meisterwissen skalierbar machen, um Fachkräftelücken zu schließen und geringer ausgebildete Mitarbeiter über digitale Ratgeber und KI-Chatbots auch für komplexere Aufgaben zu befähigen: Ziele wie diese verfolgt Service-Meister. Jetzt ging das Projekt als Gewinner aus dem KI-Innovationswettbewerb des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hervor. Insgesamt 16 großvolumige Plattformprojekte sind für die Teilnahme an der Umsetzungsphase nominiert, die Anfang 2020 beginnen und drei Jahre laufen soll.

„Mit dem KI-Innovationswettbewerb setzen wir einen Baustein der KI-Strategie um. Wir haben herausragende Ansätze für KI-basierte, marktorientierte Plattformen gesucht – und gefunden“, sagt Dr. Ulrich Nussbaum, Staatssekretär im BMWi. „Die große Resonanz auf den Wettbewerb zeigt, dass wir in Deutschland den Willen und das Potenzial haben, künstliche Intelligenz in wirtschaftlichen Erfolg umzumünzen. Von den Projekten der Gewinner erhoffen wir uns wichtige Impulse für den Einsatz von KI in Deutschland.“ Nussbaum zeichnete die Gewinner anlässlich der Eröffnung des neuen Forums Digitale Technologien in Berlin am 19. September aus.

Schnellboote lösen nicht nur Herausforderungen im Industrieservice

Service-Meister realisiert eine offene KI-Plattform für alle Wartungsabläufe. Um KI-Funktionen zu entwickeln, setzt das Projekt auf Tandems aus Anwendungsunternehmen und Implementierungspartner. Die sogenannten Schnellboote lösen dann nicht nur Herausforderungen im Industrieservice, sondern nebenbei auch drängende Fragen des Klimawandels. Beispiel Abwassermanagement: Fällt mehr Regen im Winter und nur noch vereinzelt starker Niederschlag im Sommer, bringt das die bestehenden Leitungsnetze an ihre Grenzen. Überschwemmungen und Hochwasser drohen. Die Lösung liefert Ayyeka: Über das Internet of Things (IoT) macht die KROHNE-Tochter Abwassersysteme intelligent. Gemeinsam entwickeln KROHNE und inovex die IoT-Plattformlösung im Projekt Service-Meister jetzt weiter. Neue KI-Funktionen sollen realisiert und bereitgestellt werden. Das Ergebnis: Nicht nur verfügbarere, intelligentere Abwassermanagementsysteme für die Kunden von Ayyeka, sondern für alle Nutzer der IoT-Plattform – mehr als 100 Millionen Datensätze verwaltet KROHNE bereits.

KI erleichtert Technikern und Ärzten die Arbeit

Intelligente Use Cases erfordern ebenso intelligente Transfermöglichkeiten. So lernen bei Service-Meister Ärzte von Technikern und umgekehrt. Um Beschwerden und Symptome einzugrenzen und Erkrankungen zu bestimmen, setzen Mediziner auf Differentialdiagnosen. Ein systematisches Verfahren, das Ärzte bei der Untersuchung anwenden, dokumentieren und mit einem Diagnoseschlüssel abschließen. Nicht anders arbeiten Servicetechniker: Sie suchen an Maschinen nach Problemen, bereiten Reparaturen vor und halten alles in Wartungsberichten fest. Service-Meister wird KI-Verfahren entwickeln, um Serviceberichte auszuwerten. Einmal trainiert, kann die KI übergreifende Ursachen für Probleme identifizieren und dabei vielschichtige technische Zusammenhänge berücksichtigen. Und eine KI wie diese macht nicht nur Technikern das Leben leichter, sondern auch Medizinern: Der Algorithmus für den Service lässt sich auf die Medizin übertragen, um Diagnosen zu beschleunigen und Krankheiten zu heilen.

Service-Meister: Antwort für aufbrechenden Servicemarkt

„Wir freuen uns, das Projekt realisieren zu dürfen“, sagt Andreas Weiss, Geschäftsbereichsleiter Digitale Geschäftsmodelle im eco Verband und einer der Leiter des Konsortiums, das Service-Meister umsetzen wird. „Unser Vorhaben liefert der Wirtschaft nicht nur einen entscheidenden Technologie-Baustein für die weitere Digitalisierung, sondern auch die Antwort auf den sich öffnenden Markt für Servicedienstleistungen.“ Denn laut aktueller Studie der Beratungsgesellschaft Lünendonk erkennen acht von zehn Unternehmen im Service einen unmittelbaren Mehrwert für die eigene Produktivität. Und jeder zweite Befragte geht davon aus, immer öfter Serviceaufträge an externe, spezialisierte Dienstleister zu vergeben.

Weitere Informationen zum Projekt, dem Konsortium und allen assoziierten Partnern online unter www.servicemeister.org.

(Foto) Das Service-Meister-Team in Berlin: (v.l.n.r.) Dr. Ing. Martin Krawczyk-Becker (Krohne Innovation GmbH), Prof. Dr. Alexander Löser (Beuth Hochschule), Andreas Weiss (eco Verband der Internetwirtschaft), Prof. Dr. Gerhard Satzger (KIT/KSRI) und Hauke Timmermann (eco Verband der Internetwirtschaft). (Copyright: BMWi/Bildkraftwerk Kurc)

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© BMWi/Bildkraftwerk Kurc