07.08.2026

Acht Monate NIS-2: Umsetzung bleibt für Unternehmen anspruchsvoll

eco Stimmungsbild zeigt Hürden bei Nachweisen, Meldeprozessen und Risikomanagement

Köln, 06.08.2026 – NIS-2 ist in der Wirtschaft angekommen, aber die praktische Umsetzung bleibt für viele Unternehmen anspruchsvoll. Das zeigt ein aktuelles Stimmungsbild des eco – Verband der Internetwirtschaft unter 38 Unternehmen aus dem eco Umfeld. Die größten Herausforderungen bei der Umsetzung sehen die Befragten bei Dokumentationspflichten, Meldeprozessen mit 24-/72-Stunden-Regelungen sowie Risikoanalyse und Risikomanagement.

Das eco Stimmungsbild gibt einen Einblick in Unternehmen, die über eco Kanäle erreicht wurden und sich bereits mit NIS-2 und Cybersicherheit befassen. Selbst in diesem Umfeld wird ein deutlicher Unterstützungsbedarf sichtbar. Über ein Drittel der bereits beim BSI registrierten Unternehmen bewertet den Registrierungsprozess als „sehr kompliziert“, 53 Prozent als „in Ordnung“. 

Nachweise und Meldeprozesse verursachen den größten Druck

Der zusätzliche Aufwand für die Umsetzung von NIS-2 ist spürbar: Rund 15 Prozent der Antwortenden schätzen ihn als sehr hoch ein, jeweils rund 38 Prozent als hoch oder mittel. Kein Unternehmen gab an, dass durch NIS-2 kein zusätzlicher Aufwand entsteht.

Knapp 18 Prozent der teilnehmenden Unternehmen geben an, die NIS-2-Anforderungen bereits vollständig umgesetzt zu haben. Rund 36 Prozent befinden sich planmäßig in der Umsetzung, weitere knapp 18 Prozent berichten von Verzögerungen. Als besonders herausfordernd bewerten die Unternehmen vor allem Nachweispflichten und Audits mit rund 26 Prozent der Nennungen, das Meldewesen mit rund 25 Prozent sowie Risikoanalyse und Risikomanagement mit rund 21 Prozent.

eco KRITIS-Experte Ulrich Plate: Registrierung ist nur der Auftakt

„Dass selbst Unternehmen aus einem securitynahen Umfeld den Registrierungsprozess teils als sehr kompliziert bewerten, zeigt, wie wichtig praxistaugliche Orientierung ist“, sagt Ulrich Plate, Leiter der Kompetenzgruppe KRITIS bei eco. “Mit der Registrierung ist die eigentliche Arbeit nicht abgeschlossen. Entscheidend ist jetzt, dass Unternehmen die regulatorischen Anforderungen in wirksame Prozesse übersetzen: klare Verantwortlichkeiten, belastbare Meldewege, dokumentierte Risiken und ein funktionierendes Lieferkettenmanagement. NIS-2 darf nicht als reine Compliance-Aufgabe verstanden werden, sondern muss als Führungs-, Resilienz- und Risikomanagementthema im Unternehmensalltag ankommen.“

Unterstützungsangebote müssen an der Praxis ansetzen

Das BSI hatte im Juni eine Befragung zu Feedback und Bedarfen der Wirtschaft bei seinen NIS-2-Unterstützungsangeboten gestartet, darunter Betroffenheitsprüfung, Geschäftsleitungsschulung und Infopakete. Aus Sicht von eco ist dieser Ansatz richtig: Unterstützungsangebote sollten vor allem dort ansetzen, wo in der Praxis die größten Reibungspunkte entstehen – bei Nachweisen, Meldewegen, Lieferkettenanforderungen, Betroffenheitsprüfung und der Verantwortung der Geschäftsleitung.

„Unternehmen brauchen keine abstrakten Pflichtenhefte, sondern klare Prioritäten und handhabbare Umsetzungshilfen“, so Plate. „Nur wenn NIS-2 im Unternehmensalltag funktioniert, kann daraus ein echter Resilienzgewinn für Wirtschaft und Gesellschaft entstehen.“

Über das eco Stimmungsbild
Das Stimmungsbild basiert auf einer Kurzabfrage des eco unter Unternehmen aus dem eco Umfeld mit Bezug zu IT-Sicherheit, digitaler Infrastruktur und NIS-2. Die Befragung wurde über eco Kanäle verbreitet; insgesamt gingen 38 qualifizierte Antworten ein.
Die Ergebnisse geben ein aktuelles Stimmungsbild aus der Praxis wieder und erheben keinen Anspruch auf Repräsentativität. Da die Beantwortung einzelner Fragen freiwillig war, variiert die Zahl der Antworten je nach Frage. Prozentwerte beziehen sich jeweils auf die Unternehmen, die die betreffende Frage beantwortet haben.

Acht Monate NIS-2: Umsetzung bleibt für Unternehmen anspruchsvoll