22.08.2019

Frauen in der Tech-Branche

Es gibt tausende gute Gründe, warum die Internetwirtschaft weibliche Verstärkung braucht. Schließlich stehen zahlreiche Jobangebote dem Fachkräftemangel gegenüber oder aber homogene Teams und Denkweisen Innovationen im Wege. Die Digitalbranche boomt, täglich entstehen neue digitale Geschäftsmodelle und schaffen lukrative Jobs, doch die lassen sich Frauen noch zu häufig entgehen. Wir wollen das ändern. In unserer Serie „Frauen in der Tech-Branche“ kommen inspirierende weibliche Fach- und Führungskräfte der Internetbranche zu Wort. Dabei sprechen wir über die wirklich wichtigen Themen: von Entwicklungsperspektiven über Karrieretipps und Zukunftswünsche bis hin zu den Herausforderungen in einem männerdominierten Arbeitsumfeld und warum Arbeit in der Internetbranche Spaß macht. Diesmal mit: Saskia Steinacker: Global Head of Digital Transformation bei Bayer und Mitglied im eco Präsidium.

 

 

Was steht auf Ihrer Visitenkarte?

Saskia Steinacker: Global Head of Digital Transformation bei Bayer.

 

Wenn ich Ihre Position hätte, was würde mich in meinem Arbeitsalltag bei Bayer erwarten? Und was muss ich für den Job unbedingt mitbringen?

Steinacker: Zunächst bietet Bayer die großartige Chance, das Thema Digitalisierung mit den Megathemen Ernährung und Gesundheit zu kombinieren. 2050 werden über 10 Milliarden Menschen auf der Erde sein, die medizinisch versorgt und ernährt werden müssen. Dazu wollen wir mit neuen Lösungen beitragen. Ich leite mit unserem Digital Transformation Board die Transformation des Konzerns. Im Arbeitsalltag muss ich dafür sorgen, dass die Potenziale der Digitalisierung im Bereich Digital Health oder Digital Farming bei uns im Unternehmen gesehen werden und die nötigen Voraussetzungen für die Umsetzung geschaffen werden. Das heißt konkret beispielsweise, dass wir die nötige Infrastruktur haben, dass wir Mitarbeiter mit dem entsprechenden Know-how beschäftigen. Wie können wir die digitale Transformation bei Bayer beschleunigen? Darüber spreche ich täglich mit sehr vielen Menschen und das wollen wir in konkrete Projekte umsetzen. Ich bin mit absoluter Leidenschaft dabei. Es braucht Hartnäckigkeit, weil der Handlungsdruck in einem bisher erfolgreichen Geschäft nicht unbedingt gesehen wird. Auch eine Menge Diplomatie ist nötig, weil ich ganz unterschiedliche Stakeholder ins Boot holen muss.

 

Sie sind definitiv eine Female Hero der Digital-Szene und sicherlich ein Vorbild für viele. Wenn Sie eine Frau um einen Karrieretipp bitten würde: Was würden Sie ihr raten?

Steinacker: Das Wichtigste ist, den eigenen Purpose zu finden. Das heißt sich die Frage zu stellen: Wozu möchte ich eigentlich beitragen? Titel und hohe Position sind schön und gut, aber nicht entscheidend. Die nächste Frage ist, wie erreiche ich mein Ziel? Es muss nicht der traditionelle Karriereweg sein, sondern der eigene. Als Mentorin für Frauen habe ich häufiger erlebt, dass sie zu viel Energie darauf verwenden, sich über Ungerechtigkeiten zu ärgern. Die Energie ist besser darauf verwendet, den eigenen Weg konsequent zu gehen und dann ein Rollenmodell für die nächste Generation zu werden und diese zu fördern. Dazu gehört natürlich auch eine gewisse Widerstandsfähigkeit, denn der Wind bläst weiter oben in der Hierarchie durchaus rauher. Um das Durchhalten zu können, braucht es auch Ausgleichsmöglichkeiten zum Job. Ich halte nichts davon, alles dem Beruf unterzuordnen. Ein ausgewogenes Leben zwischen Beruf, Familie und Freunden ist sehr wichtig. Das gilt übrigens nicht nur für Frauen.

 

Wie war das bei Ihnen selbst?

Steinacker: Mein Antrieb ist ganz klar, dass wir Digitalisierung für eine bessere  Landwirtschaft und Gesundheit nutzen sollten. Wenn ein Diabetes-Patient seinen Insulinspiegel selbst monitoren kann, ist das großartig! Ich habe auf der Business-Seite angefangen und bin dann in die IT gegangen, was damals ein sehr ungewöhnlicher Schritt war. Mir war schnell klar, welche Chancen in IT-Lösungen für unser Geschäft liegen. Als eine der wenigen Frauen in der IT habe ich durchweg positive Erfahrungen gemacht. Vorteilhaft war, dass ich von Natur aus großes Interesse an IT habe und mir auch Programmiersprachen selbst beigebracht habe. Dadurch verstehe ich heute einerseits die Technik. Auf der anderen Seite spreche ich aber auch die Businesssprache.

 

Stichwort: Diversity. Gibt es aus Ihrer Sicht eine Erfolgsformel zur Besetzung von Teams? Wie sieht aus Ihrer Sicht das ideale Team aus oder wie besetzen Sie selbst Ihre Teams?

Steinacker: Grundsätzlich finde ich Diversity extrem wichtig. Im Geschäft braucht es verschiedene Perspektiven, um das beste Ergebnis zu liefern. Wenn ich jetzt ein Team mit einem eher monokulturellen Profil habe, dann deckt das am Ende eben nicht die gesellschaftliche Realität ab. Wer persönlich in diversen Teams gearbeitet hat, wird erleben, dass es immer eine Bereicherung ist, andere Hintergründe und Denkweisen mit einbeziehen zu können. So gehe auch ich bei meinem Team vor. Es ist sehr divers in Aspekten wie Nationalität, unterschiedliche Hintergründe und Fähigkeiten. Natürlich muss man da am Anfang etwas mehr moderieren, bis die Teammitglieder den Mehrwert selbst erleben. Wenn das einmal erreicht ist, will kein Mitarbeiter zurück in die Monokultur.

 

Ein gutes Team braucht eine gute Führungskraft. Wie führt man aus Ihrer Sicht sein Team zum Erfolg?

Steinacker: Ich sehe es als meine Verantwortung, die Umgebung für den Erfolg meines Teams zu schaffen. Vor allem braucht es Plattformen für den Austausch und die Zusammenarbeit. Mir sind Teamplayer wichtig. Als Führungskraft muss ich allerdings auch auf die einzelnen Menschen und ihre Bedürfnisse eingehen können und sich dafür die nötige Zeit nehmen. Was ich außerdem sehr wichtig finde ist, Mitarbeitern Freiräume zu geben. Ich mache klar, was die Ziele sein sollen. Wie sie die Ziele erreichen, können sie selbst entscheiden. Wenn es Schwierigkeiten gibt, bin ich da und unterstütze. Ich habe aber auch das Glück, wirklich tolle Leute in meinem Team zu haben!
 

Wir haben beim letzten Mal Kenza Ait Si Abbou Lyadini, Senior Managerin Robotics & Artificial Intelligence bei der Telekom getroffen. Sie hat uns folgende Frage für Sie mitgegeben: Diverse Studien belegen, dass Unternehmen, die divers aufgestellt sind, innovativer und erfolgreicher sind. Diversity bietet eben auch einen finanziellen Mehrwert. Wie ist es aus Ihrer Sicht zu erklären, dass der Großteil der Unternehmen trotzdem noch nicht divers genug ist?

Steinacker: Grundsätzlich braucht Wandel Zeit. Alte Denkmuster müssen aufgebrochen werden und das geht nicht von heute auf morgen. Leider ist es so, dass Menschen häufig ähnliche tickende Menschen einstellen. Das führt dann dazu, dass man nur gleiche Perspektiven erhält, die sich für die Führungskraft zwar logisch anhören, aber es fehlt der andere Blick auf ein Thema. Das Ergebnis ist dann selten das beste. Dieses Verhaltensmuster muss über die verschiedenen Hierarchieebenen bewusst gemacht werden. Nur so lässt sich das Ähnlichkeitsprinzip durchbrechen.

 

Wir möchten gerne auch Ihre Aspekte und Fragen in die Diversity-Debatte einbringen. Gibt es eine Frage, die aus Ihrer Sicht zu wenig Beachtung findet oder Sie umtreibt? Dann geben Sie uns diese doch bitte für unsere nächste Interviewpartnerin mit. Welche Frage sollen wir ihr stellen?

Steinacker: Wie kann man Entscheider in Firmen dazu bringen, Diversity als ihre persönliche Verantwortung zu sehen und zu fördern?

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview, Frau Steinacker!

Für unsere Serie Frauen in der Tech-Branche suchen wir weitere spannende Interview-Partnerinnen. Kontaktieren Sie uns gerne bei Interesse. Weitere Informationen zum Thema Frauen in der Tech-Branche finden Sie in unserer Pressemitteilung,  im Kompetenzbereich New Work und bei unseren Netzwerktreffen #LiT Ladies in Tech

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