17.03.2021

Im Gespräch mit Britta Behrens, LinkedIn Expertin, Speaker und Digital Marketer, Volz Personalberatung

Es gibt tausende gute Gründe, warum die Internetwirtschaft weibliche Verstärkung braucht. Schließlich stehen zahlreiche Jobangebote dem Fachkräftemangel gegenüber oder aber homogene Teams und Denkweisen Innovationen im Wege. Die Digitalbranche boomt, täglich entstehen neue digitale Geschäftsmodelle und schaffen lukrative Jobs, doch die lassen sich Frauen noch zu häufig entgehen. Wir wollen das ändern. In unserer Serie „Frauen in der Tech-Branche“ kommen inspirierende weibliche Fach- und Führungskräfte der Internetbranche zu Wort. Dabei sprechen wir über die wirklich wichtigen Themen: von Entwicklungsperspektiven über Karrieretipps und Zukunftswünsche bis hin zu den Herausforderungen in einem männerdominierten Arbeitsumfeld und warum Arbeit in der Internetbranche Spaß macht. Diesmal mit: Britta Behrens, LinkedIn Expertin, Speaker und Digital Marketer, Volz Personalberatung.

 

Was machst Du beruflich? Stell Dich doch bitte einmal kurz vor.

Britta Behrens: Ich bin Marketing- und Content-Strategin. Aktuell verantworte ich bei der Volz Personalberatung in Köln das digitale Marketing. Als Side-Preneurin bin ich als LinkedIn Marketing Beraterin, Keynote Speakerin und Autorin aktiv. Digitale Kommunikation ist meine große Leidenschaft. Ich bin ein Riesenfan von Inbound Marketing & Sales. Vor 4 Jahren begann ich mich intensiv mit LinkedIn als B2B-Plattform auseinanderzusetzen und entdeckte das schlummernde Potential für den deutschsprachigen Raum. LinkedIn hatte sich von einer reinen Recruiting- und digitalen Visitenkarten-Plattform zu einer Content- und Networking-Plattform transformiert. Für mich als Content-Marketer ein absolutes Aha-Erlebnis. Seitdem drehen sich meine Kernthemen um Personal Branding, B2B Marketing und Social Selling. Im Sales findet gerade ein großer Umbruch statt. Und die Power von Corporate Influencern und Social CEOs ist vielen noch gar nicht wirklich bewusst. In diesem Bereich eine Vorreiterin zu sein und andere auf diesem Weg mitzunehmen und zu begleiten, motiviert mich.


Was sind Deine Herausforderungen für 2021?

Britta Behrens: Ganz oben auf der Liste steht mein LinkedIn -Buch. Ich wollte es eigentlich schon 2020 fertigstellen, was aufgrund der Turbulenzen im letzten Jahr und meiner beruflichen Veränderung ins Hintertreffen geraten ist. 2021 werde ich es aber definitiv veröffentlichen. Des Weiteren freue ich mich auf meinen LinkedIn-Learning-Kurs, den ich zum Thema B2B Marketing & Sales auf LinkedIn konzipiere. 2021 will ich mehr Video-Content produzieren und auch endlich die LinkedIn-Live-Funktion nutzen. Dort kann man mich dann auch gerne spontan zu allen Fragen zum Thema Personal Branding und LinkedIn Hacks löchern.


Du hast über 14.800 Follower auf LinkedIn, schreibst ein Buch zum Thema Personal Branding und Social Selling auf LinkedIn, versorgst Deine Follower mit Tipps zum Thema, bist als Speakerin auf dem Gebiet unterwegs.
Daher die Frage an die Expertin: Wie gehe ich als Newbie das Thema Personal Branding an?

Britta Behrens: Für den ersten Eindruck ist das eigene Profil elementar. Daher der Tipp zuerst das eigene LinkedIn-Profil auf Vordermann bringen: beispielsweise ein Hintergrundbild einpflegen, ein aussagekräftiges aktuelles Profilbild einsetzen und ganz wichtig – unter dem Namen einen Profil-Slogan eintragen. Viele Menschen nutzen den Profil-Slogan-Bereich klassisch, tragen dort Position und Unternehmen ein. Das ist jedoch nicht ratsam, denn der Profil-Slogan läuft stets mit, wenn ich auf der Plattform kommuniziere, z. B. eigene Beiträge veröffentliche oder Kommentare bei anderen hinterlasse. Daher sollte die eigene Fachkompetenz stets aus dem Slogan hervorgehen. Empfehlenswert sind ein paar passende Keywords, mit denen man sich identifiziert und die eigene Expertise verdeutlichen. Ansonsten im Gesamtprofil bitte wirklich fokussieren. Dabei helfen die Fragestellungen: Wo stehe ich jetzt in meiner Position? Welche Verantwortung habe ich? Für welche Themen brenne ich und mit welchen möchte ich in Verbindung gebracht werden? Ein weiterer Tipp: Unbedingt auch den Im-Fokus-Bereich als Bühne nutzen, um beispielsweise Webseiten oder relevante Beiträge prominent vorzustellen und um Profilbesucher als Leads auf Landingpages zu überführen und tiefer ins Thema oder Unternehmen eintauchen zu können.


Klar, der erste Eindruck zählt – gilt auch im Digitalen. Wenn ich jetzt ein aussagekräftiges Profil habe: Wie baue ich mein Netzwerk auf?

Britta Behrens: Zunächst empfiehlt es sich, bestehende Kontakte ins Netzwerk zu holen – dazu gehören ehemalige Kollegen genauso wie Kunden und Geschäftspartner. Im zweiten Step sollte ich schauen, wer kommuniziert auf LinkedIn zu meinen Themen, deren Beiträge kommentieren, ihnen folgen und eine Vernetzungsanfrage stellen. Auch LinkedIn-Gruppen oder LinkedIn Events sind ein guter Weg, um nach neuen interessanten Kontakten Ausschau zu halten, weil sich daraus direkt ein Themenmatch und Anknüpfungspunkte ergeben. So fällt es leichter eine Kontaktanfrage zu versenden: „Hey, ich habe gesehen, du engagierst dich auch in der Ladies in Tech LinkedIn-Gruppe vom eco. Ich möchte mich gerne mit Dir vernetzen“. Bitte verschickt keine Anfragen ohne Nachricht, das zeugt nicht nur vom schlechten Stil, sondern eure Kontaktanfrage läuft auch Gefahr abgelehnt zu werden. Für ein nutzenstiftendes Netzwerk ist entgegen der leider immer noch anzutreffenden Meinung nicht die Follower-Anzahl, sondern die Qualität entscheidend. Nehmt daher nicht jede Kontaktanfrage an, sondern schaut euch zunächst das Profil der Person an und entscheidet, ob ihr die Anfrage annehmen wollt. Dabei sind folgende Fragestellungen hilfreich: Kann ich dem- oder derjenigen einen Mehrwert bieten oder Hilfestellung leisten bzw. hat derjenige Kompetenzen und Fähigkeiten, von denen ich profitieren kann?


Mitunter herrscht die Meinung vor Social Media sei nur etwas für Selbstdarsteller. Viele Menschen haben Vorbehalte und Unsicherheiten, was das Thema Personal Branding betrifft. Ist das für dich als Expertin nachvollziehbar und was lässt sich dagegen tun?

Britta Behrens: Einerseits liegt es an der Begrifflichkeit Personal Branding. Der Begriff ist diskussionswürdig. Viele haben die Scheu, weil sie denken: Ich muss jetzt zur Marke werden, mich verändern, mich stets in den schillerndsten Farben und im strahlendsten Licht präsentieren und ein total narzisstischer Selbstdarsteller werden. Genau darum geht es aber nicht. Ich denke der Begriff Personal Profiling, den Sachar Klein ins Spiel gebracht hat und verwendet, trifft es besser. Du hast eine Kompetenz, du hast eine Fähigkeit, du hast einen breiten Erfahrungsschatz und den teilst du mit anderen. Content mit Mehrwert – um nichts anderes geht es. Das heißt konkret, z. B. Tipps zu geben aus deinem Arbeitsalltag, aus deinen Erfahrungen mit Kunden-Projekten – auch mal aus einem Website-Launch, wo vielleicht auch etwas schiefgelaufen ist. Die Learnings, die du daraus gezogen hast, teilst du mit deinem Netzwerk. Denn einerseits lernen wir aus eigenen Fehlern, aber es ist auch schön, wenn man aus den Fehlern von anderen lernt und nicht jeden Fehler erst selbst machen muss.


Wie finde ich meine Themen und komme in die Sichtbarkeit?

Britta Behrens: Dazu braucht es eine klare Antwort auf die Frage: Zu welchen Themen möchte ich wahrgenommen werden? Was interessiert mich und womit möchte ich mich positionieren? Es bringt nichts, wenn ich heute über Personal Branding auf LinkedIn, morgen über Holzschnitzen und übermorgen übers Stricken schreibe. Besser ist es auf zwei, drei Themen zu fokussieren, wo du weißt, da will ich auch zukünftig hin.

Um sichtbar zu werden, hilft es sich anzusehen wie es andere machen, die schon einen gewissen Expertenstatus auf LinkedIn haben. Beiträge kommentieren ist essentiell. Beispielsweise mit nützlichen weiteren Quellen und Links oder eigene Statements mit Erfahrungen. Dann kommt man automatisch in die Sichtbarkeit. Über deine Kommentare wirst du von anderen wahrgenommen, für interessant befunden und dein Profil wird häufiger aufgerufen. Fange dann peu à peu an eigene Beiträge zu verfassen. Nutze in deinen Beiträgen 2-3 passende Hashtags und vertagge wohldosiert Kontakte, die etwas zu dem Thema zu sagen haben, damit sie in die Diskussion einsteigen. So startest du das Engagement und dein Beitrag wird sichtbarer. Wähle hinsichtlich des Content-Formats dasjenige aus, das am besten zu dir passt: Es muss kein Video sein, auch reine Text-Posts funktionieren auf LinkedIn oder erstelle eine PDF-Slideshow mit ein paar Tipps. Mit Canva.com ist das ganz schnell und einfach erstellt.


Wie sieht die Zukunft von Personal Branding aus?

Britta Behrens: Clubhouse ist natürlich gerade ein absoluter Hype, den viele, die ihr Personal Branding schon ausgebaut haben, stark nutzen. Clubhouse finde ich ein sehr spannendes Medium, weil es über die App möglich ist, direkt mit anderen Experten in den Kontakt zu treten. Ich war auch schon bei mehreren Sessions als Speakerin dabei bzw. habe eigene gehostet.

Personal Branding muss an sich salonfähig werden und von diesem Beigeschmack der Selbstdarstellung wegkommen. Für die Zukunft wünsche ich mir daher, dass den Leuten bewusst ist, dass sie sich nicht dafür schämen müssen, zu zeigen, was sie können. Ich will diesen Menschen Mut machen, denn wer sich beruflich weiterentwickeln will, der muss auch über seine Kompetenzen und Expertise sprechen. Wessen Leistungen nach außen und innen sichtbar ist, der kann zudem in Jahresgesprächen und Gehaltsverhandlungen anders auftreten. Das Business-Umfeld lässt sich dabei nicht vollkommen von dem persönlichen privaten Menschen entkoppeln. Ich bin nicht nur Personal-Branding- und LinkedIn-Expertin, sondern gebe auch eine persönliche Note mit. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich halt gerne Gin trinke oder meine Freizeit sehr gerne auf dem Golfplatz verbringe.


Wie lauten Deine Top 3 Karriere-Tipps an Frauen?

Britta Behrens: Werdet aktiv auf LinkedIn und macht eure Arbeit sichtbar. Nutzt Netzwerkveranstaltungen, wenn es wieder geht, bringt euch gegenseitig nach vorne und gebt euch Feedback. Aus heutiger Sicht habe ich selbst viel zu spät damit angefangen. Ich war immer heiß darauf, Vorträge bei Meet-ups zu hören und mir Wissen, Wissen und nochmal Wissen aufzubauen. Ich war jedoch auch relativ introvertiert. Daher ein wichtiger Tipp aus Tijen Onarans Netzwerkbibel: Geh nicht mit deinen Arbeitskollegen zu einem Netzwerk-Event, sondern geh allein. Der dritte Tipp lautet: Werdet euch darüber bewusst, wo liegen die eigenen Stärken und habt eine klare Antwort auf die Frage: Wo will ich eigentlich hin?


Zum Thema Sichtbarkeit fällt auch das Sprechen auf Konferenzen. Du bist auch als Speakerin auf vielen Events präsent. Sicherlich auch ein Ziel, das auch andere Frauen anstreben und womit wir auch dem Phänomen der #allmalepanels entgegenwirken. Wie hast du es als ehemals eher introvertierte Person auf die Bühne geschafft?

Britta Behrens: Ich bin als Gast auf vielen Konferenzen gewesen. Irgendwann kam die Erkenntnis, was die Referent:innen auf der Bühne erzählen, das kannst du auch. Warum machst du das eigentlich nicht und lässt andere an deinem Wissen teilhaben? Zudem werden weibliche Speaker ja stets händeringend gesucht. Ich habe mich immer gefragt, warum sind häufig nur Männer auf der Bühne. Dabei gibt es genug Speakerinnen, man muss eigentlich nur mal die richtigen Leute fragen, die entsprechende Empfehlung aussprechen und die Veranstalter dürfen sich nicht mehr rausreden. Gemische Panels auf Bühnen – das ist möglich und machbar. Aus dieser Motivation habe ich mir als Ziel die Challenge gesetzt, selber auf der Bühne zu sprechen. Dazu muss man wissen: Ich habe früher Referate und alles Mögliche an Präsentationen gehasst. Ich habe mich dazu schon in gewisser Weise zwingen müssen und meine Komfortzone verlassen. Ich werde jetzt aufgrund der positiven Aufregung und Anspannung auch noch rot, wenn ich am Anfang auf der Bühne stehe, aber meine Expertise und mein Vertrauen in meine Fachkenntnisse geben mir Sicherheit.


Welche Frage im Kontext Diversität und Frauen in Tech möchtest Du uns für unsere nächste Interviewpartnerin mitgeben?

Britta Behrens: Was mir persönlich zu kurz kommt beim Thema Diversity und Female Empowerment ist, dass wir zu wenig männliche Gesichter haben, die mit dem Thema sichtbar sind. Frauennetzwerke, in denen Frauen andere Frauen unterstützen, sich dann gegenseitig in Position bringen, sind gut, aber wo sind die Männer wie beispielsweise Philipp Depiereux, die das Thema auch nach außen treiben. Gleichberechtigung und Diversity sind kein Frauenthema, sondern das ist ein gesellschaftliches Thema, was Männer und Frauen gleichermaßen angeht. Daher lautet meine Frage: Wo und wer sind die männlichen Vorbilder, die man immer nennen sollte, die das Thema Diversität treiben und dafür einstehen?

Vielen lieben Dank für Deine Zeit und das Interview!

 

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„Wir sollten uns alle um unsere Onlinereputation kümmern.“