Beschwerden im Bereich Jugendmedienschutz verdoppelt
- 358 geprüfte Beschwerden in 2025 / in 30.035 Fällen wurde ein Rechtsverstoß festgestellt
- Erfolgsquote von 98,58 Prozent bei webbasierten Inhalten bestätigt Selbstregulierungsansatz „Löschen statt Sperren“
- Rund ein Viertel der monierten URLs in Deutschland gehostet
- Jubiläumsjahr 2026: 30 Jahre eco Beschwerdestelle
Die eco Beschwerdestelle blickt mit der heutigen Veröffentlichung ihres Jahresberichts 2025 auf ein neues Rekordjahr zurück: Mit 51.358 geprüften Hinweisen und 30.035 tatsächlich festgestellten Rechtsverstößen verzeichnet sie den höchsten Stand berechtigter Beschwerden seit ihrer Gründung im Jahr 1996. Die eco Beschwerdestelle ist seit 30 Jahren engagiert gegen rechtswidrige Inhalte im Internet und setzt sich tagtäglich für einen wirksamen Kinder- und Jugendmedienschutz ein.
Jahresbericht 2025: Dreimal so viele berechtigte Beschwerden wie 2024
Die Zahl der berechtigten Beschwerden hat sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifacht. Rund 93 Prozent der geprüften Hinweise betrafen den Bereich sexualisierte Gewalt und Grenzverletzungen gegen Kinder und Jugendliche. Eingehende Hinweise werden von Juristinnen und Juristen der Beschwerdestelle geprüft. Berechtigte Beschwerden über illegale Inhalte werden an den zuständigen Host-Provider weitergeleitet und dort gelöscht.
Mit einer Erfolgsquote von 98,58 Prozent bei webbasierten Inhalten bestätigt sich der langjährige Erfolg des Selbstregulierungsansatzes der Beschwerdestelle: „Löschen statt Sperren“. Weltweit konnten nahezu alle monierten Inhalte entfernt oder legalisiert werden. Bei in Deutschland gehosteten kinderpornografischen Inhalten lag die Erfolgsquote bei 100 Prozent.
„Verglichen mit dem Vorjahr hat sich die Anzahl der von uns geprüften Fälle im Bereich Jugendmedienschutz annähernd verdoppelt. In 30.035 Fällen haben wir einen Rechtsverstoß festgestellt und Maßnahmen ergriffen. Das ist nicht nur ein deutlicher Anstieg, sondern auch absoluter Höchststand in unserer 30-jährigen Geschichte. Diese Entwicklung zeigt, wie groß der Handlungsdruck ist – aber auch, wie leistungsfähig und wichtig funktionierende Melde- und Abhilfesysteme wie unsere eco Beschwerdestelle “, erklärt Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der eco Beschwerdestelle.
Die hohe Quote (42 Prozent) nicht berechtigter Beschwerden verdeutlicht die Feinjustierung rechtlicher Prüfmaßstäbe: Nicht jede als problematisch empfundene Äußerung ist rechtswidrig. Bei der eco Beschwerdestelle arbeiten daher ausschließlich Juristinnen und Juristen, die jeden Hinweis sorgfältig unter Berücksichtigung der Meinungsfreiheit und der hohen gesetzlichen Eingriffsschwellen prüfen.
30 Jahre Engagement im digitalen Kinder- und Jugendschutz
Seit 1996 hat sich das digitale Ökosystem grundlegend verändert. Digitale Dienste wie soziale Medien, Messenger-Dienste und KI-Anwendungen prägen heute den Alltag junger Menschen. Mit den erweiterten Nutzungs-Möglichkeiten sind jedoch auch neue Risiken entstanden bzw. haben sich Risiken verändert – von frei zugänglicher Pornografie über gewaltgeprägte Inhalte bis hin zu Cybergrooming in bislang unbekanntem Umfang.
„Seit 30 Jahren leistet die eco Beschwerdestelle einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in digitalen Räumen und sie ist ein wichtiger Partner bei der Umsetzung des Digital Services Act“, betont Johannes Heidelberger, Digital Services Coordinator in der Bundesnetzagentur.
„Der DSA verpflichtet Vermittlungsdienste wie Online-Plattformen zu klaren Melde- und Abhilfeverfahren, zu transparenten Entscheidungen und zu wirksamen Beschwerdemöglichkeiten für Nutzerinnen und Nutzer. Als Digital Services Coordinator überwache ich mit meinem Team die Einhaltung dieser Vorgaben, reagiere auf Verstöße gegen den DSA und koordiniere die Zusammenarbeit auf nationaler und europäischer Ebene. Die Arbeit der eco Beschwerdestelle unterstützt eine effektive Rechtsdurchsetzung, indem sie im Rahmen eines internationalen Multi-Stakeholder-Netzwerks zur schnellen Bearbeitung und Entfernung illegaler Inhalte beiträgt.“
Internationale Kooperation als Schlüssel zum Erfolg
Die Arbeit der eco Beschwerdestelle ist eingebettet in ein breites Netzwerk aus Providern, Strafverfolgungsbehörden, internationalen Partnerbeschwerdestellen und weiteren Organisationen. Sie ist Gründungsmitglied von INHOPE, dem internationalen Netzwerk der Internet-Beschwerdestellen, und Teil des deutschen Safer Internet Centres.
Ein Großteil der Hinweise – 24.400 Fälle – wurde 2025 über das INHOPE-Netzwerk übermittelt. Nur rund ein Viertel der monierten URLs war in Deutschland gehostet. Beides unterstreicht die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit.
„Für unsere Arbeit ist eine enge Kooperation mit nationalen und internationalen Partnern essenziell. Gerade bei hohen Fallzahlen sind effiziente Prozesse, technologische Unterstützung und vertrauensvolle Abstimmungen entscheidend – auch im Sinne des Staff-Welfare-Gedankens“, so Koch-Skiba weiter.
Regulatorische Entwicklungen immer im Blick
Neben der operativen Fallbearbeitung begleitete die Beschwerdestelle 2025 intensiv regulatorische Vorhaben auf nationaler und europäischer Ebene, insbesondere die geplante CSAM-Verordnung. Auch die aktuelle Debatte um Altersverifikationen und Mindestnutzungsalter digitaler Dienste für Jugendliche wird von der Beschwerdestelle fachlich begleitet.
Zugleich engagierte sich die Beschwerdestelle in der Vermittlung von Medienkompetenz durch Webinare und Workshops für Eltern, pädagogische Fachkräfte und weitere Multiplikator:innen.
Über die eco Beschwerdestelle
Die eco Beschwerdestelle ist seit 1996 aktiv und integraler Bestandteil des Systems der regulierten Selbstregulierung in Deutschland. Sie ermöglicht Internetnutzer: innen die kostenlose und anonyme Meldung jugendgefährdender und strafbarer Inhalte und arbeitet eng mit Providern, Behörden und internationalen Partnern zusammen.
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens bieten wir interessierten Medienvertreter: innen gerne Hintergrundgespräche sowie vertiefende Einblicke in die Arbeit der eco Beschwerdestelle in Köln an.