18.08.2021

Ransomeware-Angriffe immer noch größtes Risiko für Unternehmen

In der eco Sicherheitsstudie 2021 gaben 20 Prozent der 175 IT-Sicherheitsexpertinnen und -experten an, dass Ihr Unternehmen oder ihre Kunden mindestens einmal im vergangenen Jahr Ziel eines Ransomware-Angriffs wurden. Wie wird sich die Sicherheitslage in Zukunft durch künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und mobiles Arbeiten verändern? Darüber sprechen wir im Interview mit Walter Haas, Chief Technology Officer (CTO) bei Huawei Deutschland. Er hält auf den Internet Security Days 2021 die Keynote zur aktuellen IT-Sicherheitslage.

 

Herr Haas, wie bewerten Sie die aktuelle Sicherheitslage für Unternehmen auf dem deutschen Markt?

Haas: Das IT-Risiko für Unternehmen in Deutschland bleibt weiterhin angespannt. Die Corona-Pandemie hat neben der beschleunigten Digitalisierung von Prozessen auch dazu geführt, dass sich Organisationen mit neuen IT-Fragen beschäftigen mussten. Wie sichern wir den Datentransfer zwischen den Mitarbeitern und welche Programme nutzen wir, um Videotelefonkonferenzen im Unternehmen und mit Kunden durchzuführen? Dieser Lernprozess hat zwar bei vielen Unternehmen schon für ein besseres internes Verständnis beim Thema IT-Sicherheit geführt. Nichtsdestotrotz, lässt sich festhalten, dass vor allem Ransomware und Schadprogramme immer noch eins der größten Risikos für Unternehmenund Organisationen darstellen – unabhängig von deren Größe und finanzieller Ausstattung.

 

Welche neuen Sicherheitstechnologien werden uns in den kommenden fünf Jahren begleiten?

Haas: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden ein wichtiger Baustein in effektiver IT-Sicherheit der Zukunft sein. Die hängt auch damit zusammen, dass immer mehr digitale Inhalte und Dienste in Cloud-Rechenzentren verlagert werden. Mehr Geräte und Devices sind vernetzt und Netzwerke haben eine größere Angriffsfläche als je zuvor. KI hat daher erhebliche Auswirkungen auf die Computersicherheit: Sie kann genutzt werden, um neue Systeme aufzubauen, die die Erkennung von Malware und Netzwerkangriffen ermöglichen, die zuvor unerkannt geblieben wären. Anderseits kann KI auch genutzt werden, um neuartige Angriffe durchzuführen. Neben den technologischen Werkzeugen, müssen wir daher auch die Zusammenarbeit zwischen öffentlichem und privaten Sektoren verbessern, um einheitliche Standards für Sicherheit zu setzen. Daher wird die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen aber auch die mit dem BSI in Zukunft noch wichtiger werden.

 

Welche Herausforderung gehen mit der Einführung der 5G Technologie einher und wie können Unternehmen diese Herausforderungen meistern?

Haas: Höhere Datenraten, schnellere Verbindungen, weniger Latenzzeiten, eine höhere Sicherheit und reduzierter Energieverbrauch – das sind einige der entscheidenden Vorteile des neuen 5G Mobilfunkstandards. Wir sehen heute schon, dass die Technologie auch im industriellen Umfeld in sogenannten Campus-Lösungen verstärkt zum Einsatz kommt. Große Unternehmen werden vermutlich eher in der Lage sein, einen eigenen 5G-Campus nach ihren Wünschen und Anforderungen zu errichten und die relevante Sicherheitsarchitektur mitzudenken. Wenn wir jedoch die Digitalisierung auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen zum Erfolg bringen wollen, brauchen wir für diese Industrien die passenden Angebote. Neue Anbieter werden sich etablieren, die gemeinsam mit den Unternehmen die technischen und sicherheitsrelevanten Fragen beantworten werden: Baue ich das Mobilfunknetz komplett selbst an meinem Standort, oder nutze ich die öffentlichen Netzbetreiber? Welche Hardware bietet mir den meisten Nutzen meiner Campus-Lösung? Speichere ich meine Daten vor Ort oder nutze ich einen Cloud-Dienstleister für meine Applikationen?

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Haas!

 Auf den Internet Security Days 2021 am 16. Und 17. September wird Walter Haas eine Keynote Speech zur aktuellen Sicherheitslage halten. Informationen und Tickets finden Sie hier.

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