27.03.2026

Eckpunkte Regionale Rechenzentrumsstrategie Hessen: eco Allianz sieht Fortschritte und offenen Klärungsbedarf

  • Typenspezifischer Ansatz und strategischer Ausbau der Kapazitäten ausdrücklich begrüßt 
  • Strategie als „verlässlicher Orientierungsrahmen“ stärkt Investitionssicherheit 
  • Offene Fragen bei Energieinfrastruktur und „Netzdienlichkeit“ 
  • Kommunale Einbindung und interkommunaler Ausgleich noch unklar 
  • Rechenzentrumskataster als wichtiger Fortschritt bewertet 

 

Frankfurt a.M., 27. März 2026 – Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen unter dem Dach des eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. begrüßt die am 26.3.2026 vom hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innnovation in Frankfurt am Main vorgestellten Eckpunkte der hessischen Rechenzentrumsstrategie als wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung des Digitalstandorts Hessen. Insbesondere den Anspruch eines strategisch gesteuerten Ausbaus der Rechenzentrumskapazitäten wertet die Branche als positives Signal für Wirtschaft und Investoren. 

„Das Bekenntnis zu einem strategischen Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten ist ein klares und richtiges Signal. Besonders positiv ist der typenspezifische Ansatz, der unterschiedliche Arten von Rechenzentren differenziert betrachtet und so zu mehr Resilienz und Effizienz beiträgt“, erklärt Dr. Béla Waldhauser, Sprecher der Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen. Auch den geplanten Aufbau eines landesweiten Flächen- und Potenzialkatasters für Rechenzentren hält der Verband für einen sinnvollen Baustein für eine systematischere und effizientere Standortplanung. Im eco Podcast „Das Ohr am Netz“ vom 18. März 2026 betonte Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus bereits die Bedeutung klarer Standortplanung als eine der zentralen Säulen der Strategie. 

Konkretisierungsbedarf bei Energieinfrastruktur und kommunalen Rahmenbedingungen  

Gleichzeitig sieht die Allianz an mehreren Stellen Konkretisierungsbedarf. So bleibt insbesondere der Begriff der „netzdienlichen“ Betriebsweise bislang unklar. 

„Die stärkere Integration von Rechenzentren in das Energiesystem ist grundsätzlich richtig. Allerdings ist derzeit nicht ausreichend definiert, welche konkreten Anforderungen sich daraus für Betreiber ergeben. Hier braucht es klare und praktikable Leitplanken“, betont Waldhauser. 

Deutlichen Nachbesserungsbedarf sieht die Allianz insbesondere beim Thema Energieinfrastruktur. Zwar benennt die Strategie die Integration von Rechenzentren in bestehende Strom- und Wärmesysteme als zentrales Handlungsfeld, konkrete Aussagen zum notwendigen Ausbau der Stromnetze bleiben jedoch aus. 

Im eco Podcast ‚Das Ohr am Netz‘ vom 18. März 2026 wird die Integration von Rechenzentren in bestehende Netze als zentrales Element der Strategie von Ministerin Sinemus hervorgehoben. Gleichzeitig zeigt die Realität in der Region Frankfurt/Rhein-Main, dass die bestehenden Stromnetze bereits heute an ihre Grenzen stoßen.  

“Wenn der Ausbau der Energieinfrastruktur nicht konsequent mitgedacht wird, bleibt dies auch weiterhin ein zentrales Nadelöhr für Wachstum. Schon jetzt hat die Großregion Frankfurt zu wenig Stromkapazitäten für weitere Rechenzentren zur Verfügung“, so Waldhauser. 

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Rolle der Kommunen. Zwar hebt die Strategie deren Bedeutung hervor und versteht sich als Ergänzung zur nationalen Rechenzentrumsstrategie mit stärkerem Fokus auf kommunale Rahmenbedingungen. Gleichzeitig bleibt unklar, wie die Zusammenarbeit konkret ausgestaltet werden soll – insbesondere im Hinblick auf den vorgesehenen interkommunalen Ausgleich. 

„Für die erfolgreiche Umsetzung der Strategie ist die kommunale Ebene entscheidend. Offene Fragen zur Ausgestaltung von Ausgleichsmechanismen und zur konkreten Zusammenarbeit sollten zeitnah geklärt werden, um Planungssicherheit und Akzeptanz vor Ort zu schaffen“, so Dr. Béla Waldhauser. 

Aktuelle Entwicklungen wie die Ablehnung von Rechenzentrumsprojekten, etwa in Groß-Gerau, unterstreichen aus Sicht der Allianz die Bedeutung klarer und verlässlicher Rahmenbedingungen. 

„Rechenzentren sind das Rückgrat der digitalen Transformation und ein zentraler Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität. Wer die digitale Zukunft sichern will, muss auch die notwendigen Infrastrukturen ermöglichen – und dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen“, erklärt Waldhauser abschließend. 

Über die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen 

Die Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen ist ein Zusammenschluss führender Unternehmen der Branche und wurde 2018 unter dem Dach des eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. gegründet. Ziel der Initiative ist es, durch den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit auf die Bedeutung digitaler Infrastrukturen für den Wirtschaftsstandort Deutschland aufmerksam zu machen. 

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