Ab Sonntag d. 02.08.2026 gelten in der Europäischen Union die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des AI-Act. Unternehmen aller Größen und Branchen müssen künftig unter anderem kenntlich machen, wenn Nutzerinnen und Nutzer mit einem Chatbot oder Sprachassistenten interagieren. Auch für KI-generierte und bearbeitete Inhalte gelten neue Kennzeichnungs- und Informationspflichten.
„Transparenz schafft Vertrauen und ist eine zentrale Voraussetzung für den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Doch verbindliche Pflichten brauchen vor ihrem Start auch verbindliche Orientierung und klare Definitionen. Dass die EU-Kommission ihre finalen Leitlinien erst 13 Tage vor dem Anwendungsbeginn veröffentlicht hat, ist ein Fehlstart mit Ansage“, sagt Alexander Rabe, Geschäftsführer von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V.
Trotz der Leitlinien bleiben zentrale Fragen offen. Es fehlen robuste und interoperable technische Standards für die Kennzeichnung KI-generierter Inhalte. Unsicherheit besteht insbesondere in einigen Graubereichen, etwa bei Inhalten, die mit KI bearbeitet wurden, aber nicht vollständig KI-generiert sind – sowie bei der konkreten Ausgestaltung von Hinweisen in Chatbots und KI-Assistenten.
„Unternehmen dürfen nicht an technischen Maßstäben gemessen werden, die noch nicht einheitlich definiert sind. In der Anfangsphase müssen Beratung, europaweit abgestimmte Auslegung und Verhältnismäßigkeit Vorrang vor einer sanktionsgetriebenen Aufsicht haben. Andernfalls zahlen insbesondere Start-ups und mittelständische Unternehmen den Preis für Versäumnisse im europäischen Gesetzgebungsprozess“, so Rabe. „Wenn Europa eine Chance im KI-Wettrennen haben will, brauchen wir wettbewerbsfähige Regeln für Künstliche Intelligenz.”
Für den Vollzug in Deutschland begrüßt eco die zentrale Rolle der Bundesnetzagentur. Entscheidend sei jedoch eine einheitliche und praxistaugliche Anwendung der Vorgaben.
„Der Vollzug entscheidet darüber, ob der AI-Act Vertrauen in KI stärkt oder zum Investitions- und Innovationshemmnis wird. Die nationale Umsetzung des AI-Act darf weder zu einem deutschen Behördenpuzzle noch zu einem europäischen Flickenteppich werden“, sagt Rabe.
Gleichzeitig warnt eco davor, dass Transparenzpflichten keine falsche Sicherheit schaffen sollten beim Erkennen von Bearbeitungen und Manipulationen durch KI. „Die Notwendigkeit, KI-Kompetenz in der Breite der Bevölkerung zu verankern, können Transparenzpflichten nicht ersetzen”, sagt Alexander Rabe.
eco fordert daher schnellstmöglich klare, technisch umsetzbare Standards und eine europaweit koordinierte, rechtssichere und innovationsfreundliche Vollzugspraxis.


