16.03.2016

Transparentes Urheberrecht im digitalen Zeitalter

  • 24% kennen das Urheberrecht kaum oder gar nicht, 40% der Deutschen sind unsicher
  • Neue Angebote immer beliebter: 84% der jungen Nutzer streamen Musik, Filme oder Serien
  • Ländergrenzen sollten im digitalen Zeitalter keine Rolle spielen

Über Zweidrittel der Deutschen kennen die aktuellen Regelungen zum Umgang mit urheberrechtlich geschützten Inhalten im Internet nicht oder halten sie für wenig verständlich. Das ergibt eine repräsentative Umfrage im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V., der eine Modernisierung des Urheberrechts fordert.

40 Prozent der im Februar 2016 befragten Internetnutzer geben an, die Regeln des bestehenden Urheberrechts nicht adäquat anwenden zu können oder sie nur unzureichend bzw. gar nicht (24%) zu durchschauen. Grund ist laut eco das Beharren auf einem viel zu komplexen Regelwerk. „Unser aller Ziel sollte es sein, den Zugang zu digitalen Inhalten über nachvollziehbare und leicht verständliche rechtliche Vorgaben zu erleichtern und potenzielle Hemmnisse abzubauen“, kommentiert Oliver Süme, eco Vorstand Politik & Recht, die Umfrageergebnisse und verweist auch auf die zentralen Ziele der Digitalen Agenda der Bundesregierung.

„Die Ziele der Bundesregierung Wissen, Kultur und Bildung sowie die vielfältigen Unterhaltsangebote des Internet für jedermann verfügbar zu machen, setzt einen gerechten Interessenausgleich zwischen Urhebern, Rechteverwertern und Internetnutzern voraus“, sagt Oliver Süme. „Allerdings müssen die entsprechenden Rechtsvorschriften auch für jedermann verständlich und anwendbar sein, sonst führen sie in eine Sackgasse.“

Mit Blick auf die Umfrageergebnisse stellt der Verband zudem fest, dass die Verunsicherung gegenüber urheberrechtlichen Fragen weder mit dem Alter noch mit dem Bildungsstand der Nutzer zu begründen sei. „Selbst in den Gruppen der technikaffinen „Digital Natives“ oder der „Generation Y“ empfinden 39 Prozent bzw. 41 Prozent das komplexe Urheberrecht als zu undurchsichtig – und zwar unabhängig von unterschiedlichen Bildungsstandards.“

Neue Angebote immer beliebter: 84% der jungen Nutzer streamen Musik, Filme oder Serien

Das Interesse an kostenpflichtigen, qualitativ hochwertigen digitalen Inhalten wächst kontinuierlich. Schon jetzt nutzen 84% der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 24 Jahren die neuen Angebote von Streaming-Diensten im Internet, um auf Musik, Filme oder Serien zuzugreifen. Außerdem bezahlen davon mehr als die Hälfte, nämlich 54% bereits für einen oder mehrere Streaming-Dienste. „Es ist davon auszugehen, dass Content- und Streaming-Dienste nicht bloß, Trend der aktuellen Stunde‘ sind, sondern dass sich hier zukünftig noch große Marktpotentiale erschließen lassen könnten. Dazu braucht es allerdings attraktive Angebote für alle Zielgruppen sowie moderate und praktikable Regeln für die Dienste-Anbieter, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene“, fordert eco Vorstand Süme.

Ländergrenzen sollten im digitalen Zeitalter keine Rolle spielen

Ein ähnliches Bild zeigt sich im Themenfeld des „Geoblockings“. Fast Zweidrittel (64%) der 18- bis 24-Jährigen und eine deutliche Mehrheit (59%) der 25- bis 34-Jährigen würden schon heute gern auf In­halte zugreifen, die in anderen Ländern bereits verfügbar sind und bringen nur wenig Verständnis für Geoblocking auf. Ähnlich äußert sich knapp ein Drittel (31%) der 45- bis 54-Jährigen.

Neben dem Geoblocking sorgen auch zu komplexe Lizensierungsverfahren dafür, dass Streamingdienste-Anbieter teilweise nicht allen Kunden identische Inhalte zur Verfügung stellen, sondern dass das Angebot in unterschiedlichen Regionen variiert.

„Vor allem bei der grenzüberschreitenden Lizensierung von audiovisuellen Inhalten ergeben sich für Unternehmen immer wieder Probleme beim Lizenzierungsverfahren für Online-Inhalte. Diese sind europaweit sehr uneinheitlich, kompliziert und langwierig“, sagt eco Vorstand, Oliver Süme.

Laut eco machen die Umfrageergebnisse deutlich, dass die derzeitigen Regularien Politik, Wirtschaft, Urheber, Verwerter und Nutzer gleichermaßen betreffen und den Anforderungen einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft kaum noch gerecht werden. „Deshalb sollte das Urheberrecht endlich an die Vielfalt moderner Nutzungsbedingungen angepasst werden, damit es nicht zu einem Hemmnis für Innovation und zukunftsfähige Geschäftsmodelle wird“, sagt eco-Vorstand Oliver Süme.

Eine Infografik zur Umfrage finden Sie unter: https://www.eco.de/wp-content/blogs.dir/201602-eco_umfrage-urheberrecht.pdf