12.08.2026

Deepfakes: Mehrheit rechnet mit Täuschung durch KI-Manipulationen

  • 55 % halten eine Täuschung durch Deepfakes oder andere KI-Manipulationen in den kommenden fünf Jahren für wahrscheinlich  
  • 28 % rechnen mit schädigenden oder missbräuchlichen KI-Inhalten über die eigene Person  
  • eco fordert klare Regeln, verständliche Kennzeichnungen und bessere Aufklärung 

Berlin d. 05. August 2026 – 55 % der Erwachsenen in Deutschland halten es für sehr oder eher wahrscheinlich, in den kommenden fünf Jahren durch KI-generierte Deepfakes oder ähnliche KI-Manipulationen getäuscht zu werden, etwa im Zusammenhang mit Betrug oder Informationsdiebstahl. Dagegen halten es nur 28 % für wahrscheinlich, dass schädigende oder missbräuchliche KI-Inhalte über ihre eigene Person erstellt werden. 

Das zeigt eine bevölkerungsrepräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e. V. Für die Untersuchung wurden vom 31. Juli bis zum 2. August 2026 insgesamt 2.012 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren befragt. 

Die Befragten schätzen die Wahrscheinlichkeit, selbst durch manipulierte Inhalte getäuscht zu werden, damit fast doppelt so hoch ein wie die Wahrscheinlichkeit, selbst Gegenstand einer solchen Manipulation zu werden. 

Deepfakes sind mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugte oder veränderte Bild-, Audio- und Videoinhalte, die authentisch wirken können. Sie können unter anderem für Identitätsmissbrauch, Betrugsversuche, Rufschädigung, sexualisierte digitale Gewalt, wie im Fall Collin Fernandes, oder Desinformation eingesetzt werden. 

„Deepfakes wirken in zwei Richtungen: Menschen können durch manipulierte Inhalte über ihre Person geschädigt werden. Sie können aber auch zum Opfer werden, weil sie eine Fälschung für echt halten und auf dieser Grundlage handeln“, sagt Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der eco-Beschwerdestelle. „Dass 55 % eine solche Täuschung für wahrscheinlich halten, zeigt, wie stark das Vertrauen in digitale Inhalte unter Druck steht. Diese Zahlen sind ein gesellschaftliches Warnsignal.“ 

Kennzeichnung allein schützt nicht vor Täuschung 

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des europäischen AI-Acts. Anbieter müssen bestimmte KI-generierte oder manipulierte Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen. Bei Deepfakes muss zudem offengelegt werden, dass sie künstlich erzeugt oder verändert wurden.  

„Kennzeichnungen sind ein wichtiger Baustein, aber kein Schutzschild gegen Betrug, Identitätsmissbrauch oder digitale Gewalt“, sagt Koch-Skiba. „Wir brauchen neben verlässlichen technischen Standards und verständlichen Hinweisen mehr Medienkompetenz und eine gute Beschwerdeinfrastruktur. Menschen müssen Manipulationsversuche erkennen und verdächtige Inhalte über einen zweiten Kommunikationsweg überprüfen können.“ 

Der Kampf gegen schädigende Deepfakes braucht klare Regeln und mehrere Bausteine 

eco begrüßt das Ziel des geplanten Gesetzes zur Stärkung des zivilrechtlichen und strafrechtlichen Schutzes vor digitaler Gewalt (GgdG)Betroffene müssen rechtswidrige Deepfakes schnell melden, Beweise sichern und Ansprüche auf Auskunft und Löschung durchsetzen können. 

Zugleich fordert der Verband klare Rechtsbegriffe, richterliche Kontrolle und eine enge Abstimmung mit dem europäischen Digital Services Act. Unklare Haftungsregeln dürften nicht dazu führen, dass Plattformen vorsorglich auch rechtmäßige Inhalte aus Kunst, Satire oder journalistischer Berichterstattung löschen. 

Neben einer konsequenten Rechtsdurchsetzung seien Investitionen in Prävention und digitale Bildung erforderlich. Strafrechtliche Maßnahmen griffen in der Regel erst, wenn eine Schädigung bereits eingetreten sei. 

„Der Schutz vor Deepfakes entscheidet sich nicht nur vor Gericht“, betont Koch-Skiba. „Er beginnt bei Aufklärung, digitaler Bildung und einem verantwortungsvollen Umgang mit KI-generierten Inhalten.“ 

Diese Position entspricht der eco-Stellungnahme zum Referentenentwurf. 

 

Über die eco Beschwerdestelle 

Die eco Beschwerdestelle ist seit 1996 aktiv und integraler Bestandteil des Systems der regulierten Selbstregulierung in Deutschland. Sie ermöglicht Internetnutzerinnen und Internetnutzern die kostenlose und auf Wunsch anonyme Meldung jugendgefährdender und strafbarer Inhalte und arbeitet eng mit Diensteanbietern, Behörden und internationalen Partnerorganisationen zusammen. Hierbei wird die schnelle Löschung rechtswidriger Inhalte angestrebt und strafbare Inhalte werden grundsätzlich zur Anzeige gebracht. 

Über eco 

Mit rund 1.000 Mitgliedsunternehmen ist eco der größte Verband der Internetwirtschaft in Europa. Seit 1995 gestaltet eco maßgeblich das Internet, fördert neue Technologien, formt Rahmenbedingungen und vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber der Politik und in internationalen Gremien. Leitthemen sind Zuverlässigkeit und Stärkung der digitalen Infrastruktur, IT-Sicherheit und Vertrauen sowie Ethik und Selbstregulierung. 

Methodik der Umfrage 

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov-Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 31.Juli und 02. August 2026 insgesamt 2.012 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren. 

Deepfakes: Mehrheit rechnet mit Täuschung durch KI-Manipulationen