- Mindestalter und Altersverifikation weltweit: eco Infomap zeigt, wie zahlreiche nationale Ansätze und Diskussionen den regulatorischen Flickenteppich beim Schutz Minderjähriger prägen
Berlin, 9. September 2026 – Am 11. September findet die Abschlusskonferenz der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ statt. Zu den zentralen Themen gehört auch die Frage nach Altersgrenzen bzw. einem Mindestalter. eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. bekräftigt in diesem Kontext seinen Appell, dass Deutschland bei der Frage nach einer Regulierung des Zugangs von Kindern und Jugendlichen zu sozialen Medien konsequent auf eine europäische Lösung setzen muss. Nationale Regelungen – und seien sie auch nur als Übergangslösung gedacht – wären aus Sicht des Verbands der falsche Weg. Sie würden zu einer erheblichen Fragmentierung des europäischen Rechtsrahmens führen, mit weitreichenden Folgen sowohl für die Unternehmen als auch für den Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Unterschiedliche nationale Ansätze gefährden wirksamen europäischen Kinderschutz
Das heute von eco veröffentlichte Informationspapier „Mindestalter und Altersverifikation für digitale Dienste – Internationale Entwicklungen und regulatorische Ansätze“ zeigt anhand internationaler Beispiele, wie unterschiedlich Staaten bei Mindestalter und Altersnachweisen vorgehen. Die Vielzahl nationaler Modelle macht deutlich, wie schnell bei grenzüberschreitenden digitalen Diensten ein regulatorischer Flickenteppich entsteht.
„Der Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum ist eine gemeinsame europäische Aufgabe. Deshalb muss auch die Antwort eine europäische sein“, sagt Alexandra Koch-Skiba, Leiterin der eco Beschwerdestelle. „Deutschland sollte deshalb seine politische Kraft jetzt dafür einsetzen, den europäischen Dialog für eine gemeinsame Lösung voranzutreiben.“
Das eco Infopapier zeigt den klaren Trend: Immer mehr Staaten setzen auf gesetzliche Mindestaltersgrenzen für soziale Medien, häufig 15 oder 16 Jahre. Positiv ist daher, dass mit den Handlungsempfehlungen der Expertenkommission auch ein Mindestalter von 13 Jahren in die Debatte eingebracht wird, das den bislang verbreiteten freiwilligen Altersgrenzen vieler Anbieter entspricht. Entscheidend wird zudem die Frage der Altersverifikation: Sie muss wirksam sein, zugleich aber datensparsam, verhältnismäßig und international anschlussfähig. Kinderschutz darf nicht zu Lasten von Datenschutz, Informationsfreiheit und digitaler Teilhabe gehen.
Europa arbeitet bereits an gemeinsamen Lösungen
Mit der Abschlussveranstaltung der Expertenkommission rückt das Thema Mindestalter erneut weit oben auf die politische Agenda, nach den Handlungsempfehlungen sind nun konkrete Umsetzungsschritte zu erwarten. Auch auf europäischer Ebene dürfte die Debatte in den kommenden Tagen an Dynamik gewinnen: Am 16. September wird Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Europäischen Union die Prioritäten und Initiativen der Kommission für das kommende Jahr vorstellen.
Dabei sind die Voraussetzungen für einen gemeinsamen europäischen Ansatz laut eco Verband bereits vorhanden: Mit dem Digital Services Act verfügt die EU über einen gemeinsamen Rechtsrahmen, der auch den Schutz Minderjähriger umfasst. Zudem arbeitet die Europäische Kommission bereits an europäischen Instrumenten zur Altersverifikation.
Zur Untermauerung seiner Forderung veröffentlicht eco hier sein aktuelles Infopapier, das die Folgen unterschiedlicher nationaler Regelungen und den drohenden europäischen Flickenteppich aufzeigt.
Über die eco Beschwerdestelle
Die eco Beschwerdestelle ist seit 1996 aktiv und integraler Bestandteil des Systems der regulierten Selbstregulierung in Deutschland. Sie ermöglicht Internetnutzer: innen die kostenlose und anonyme Meldung jugendgefährdender und strafbarer Inhalte und arbeitet eng mit Providern, Behörden und internationalen Partnern zusammen.
Anlässlich des 30-jährigen Bestehens bieten wir interessierten Medienvertreter: innen gerne Hintergrundgespräche sowie vertiefende Einblicke in die Arbeit der eco Beschwerdestelle in Köln an.


